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Powell sieht Risiko von höherer Arbeitslosigkeit

Fed-Chef Jerome Powell führte in einer Anhörung im US-Kongress aus, welche Risiken der rigorose Kampf gegen die Inflation berge.

(Reuters) Die US-Notenbank wird laut ihrem Chef Jerome Powell mit aller Kraft daran arbeiten, die auf ein 40-Jahres-Hoch gekletterte Inflation zu senken. Das Engagement der Notenbank sei bedingungslos, sagte Powell am Donnerstag bei seiner halbjährigen Anhörung im US-Kongress. «Wir müssen wirklich Preisstabilität wieder herstellen», sagte er im Finanzdienstleistungsausschuss des US-Repräsentantenhauses. «Denn ohne diese werden wir nicht in der lage sein, eine anhaltende Phase mit Vollbeschäftigung zu haben, in der die Vorteile sehr breit verteilt sind», sagte er. Powell hatte bereits am Mittwoch im Bankenausschuss des US-Senats Rede und Antwort gestanden.

Aus Sicht des Fed-Chefs besteht die Gefahr, dass die Massnahmen der Notenbank zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen könnten. Im Mai lag die Arbeitslosenquote bei 3,6% in den USA. «Wir haben keine Präzisionswerkzeuge», sagte Powell. Daher bestehe das Risiko, dass die Arbeitslosigkeit von einem historisch niedrigen Niveau aus zunehme. «Ein Arbeitsmarkt mit 4,1% oder 4,3% Arbeitslosigkeit ist immer noch ein sehr starker Arbeitsmarkt», merkte er an. Der Fed-Chef erwartet allerdings auch, dass das Wirtschaftswachstum im zweiten Halbjahr nach einem schwachen Jahresstart wieder zulegen wird.

Powell führte bei seiner Anhörung ausserdem aus, dass die Federal Reserve auf ihrer nächsten Zinssitzung im Juli sehr wahrscheinlich die Zinsen um 0,50 oder 0,75 Prozentpunkte wird anheben müssen. Die Inflation in den USA war im Mai überraschend auf 8,6% geklettert – das ist der höchste Wert seit mehr als 40 Jahren. Die Federal Reserve hatte Mitte Juni angesichts des Inflationsschubs die Leitzinsen so kräftig angehoben wie seit 1994 nicht mehr. Sie beschloss eine Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte auf die neue Spanne von 1,50% bis 1,75%. Die Fed signalisierte auch, dass in diesem Jahr noch weitere Zinsanhebungen folgen werden. Laut einer Umfrage von Reuters rechnen Volkswirte inzwischen für Juli mit einem Zinsschritt von erneut 0,75 Prozentpunkten gefolgt von einer Anhebung um 0,50 Prozentpunkten im September.

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