Meinungen

Powell zeigt seine bisher beste Leistung

Der Fed-Chef sagt nicht viel. Und doch, oder vielleicht gerade deswegen, sind (fast) alle zufrieden. Ein Kommentar von US-Korrespondent Martin Lüscher.

«Vielleicht wird der Leitzins weiter gesenkt, vielleicht aber auch nicht. Je nachdem. Alles ist möglich.»

Einer war dann doch noch unzufrieden. Aber das lag nicht an Powell. Denn der Fed-Chef zeigte am Mittwochnachmittag seine bisher beste Leistung. An der Medienkonferenz nach der Sitzung des Offenmarktausschusses versetzten weder ein Patzer noch ein spontaner Kommentar oder ein Missverständnis die Investoren in Angst und Schrecken.

Das war nicht selbstverständlich. Zwar hat Powell als Fed-Chef mit jedem Zinsentscheid die Erwartungen der Marktteilnehmer bezüglich der Zinsentwicklung erfüllt. Gleichzeitig hat er aber immer wieder mit kommunikativen Aussetzern für Turbulenzen gesorgt.

Vergangenen Dezember löste er beispielsweise einen Absturz an der Börse aus, als er weitere Straffungen in Aussicht stellte. Erst im Januar, als er keine weiteren Straffungen mehr in Aussicht stellte, erholten sich die Märkte.

An der Sitzung im Juli bezeichnete er dann die Lockerung als eine «Anpassung der Geldpolitik zur Mitte des Wirtschaftszyklus». Daraus schlossen die Anleger, dass es das mit dieser einen Senkung gewesen sei – weniger als von den Marktteilnehmern erhofft –, und setzten die Aktienmärkte unter Druck. Erst als Powell zurückkrebste, erholten sich die Märkte.

Aus diesen Fehlern hat der Fed-Chef gelernt. Er machte am Mittwoch keine Aussage zum weiteren Zinspfad. Er liess alle Optionen offen. «Wir entscheiden von Sitzung zu Sitzung anhand der wirtschaftlichen Daten», erklärte er. Vielleicht wird der Leitzins weiter gesenkt, vielleicht aber auch nicht. Je nachdem. Alles ist möglich.

Das entspricht auch der Einschätzung der Währungshüter selbst. Ein Drittel der Mitglieder des Offenmarktausschusses erwartet bis Ende Jahre eine weitere Lockerung, ein Drittel keine Veränderung und ein Drittel eine Straffung. Entsprechend konnte Powell gar nicht viel mehr sagen, als dass niemand weiss, wo die Zinsen Ende Jahr stehen werden.

Damit zeigten sich die Anleger zufrieden. Denn sie wissen: Bisher hat Powell die Erwartungen der Marktteilnehmer bezüglich der Zinsschritte immer erfüllt. Derzeit rechnen sie bis Ende Jahr mit einer weiteren Lockerung.

Unzufrieden war dann übrigens Donald Trump. Aber das lag nicht am geldpolitischen Entscheid oder an der Kommunikation von Powell, sondern an der irrigen Erwartungshaltung des US-Präsidenten.

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