Meinungen

Powerhouse USA

Wenn es um Börsengänge geht, dann sind die USA das Mass aller Dinge. Doch auch dort ist nicht alles Gold, was glänzt. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Wer in ein IPO investiert, der muss sich bewusst sein, dass er grosses Risiko eingeht.»

Der IPO-Jahrgang 2021 ist für die Schweiz und auch viele Märkte im Rest von Europa ein durchaus guter. Daran ändert auch die jüngste Zurückhaltung nichts. Doch ein Blick auf die USA zeigt, dass dort die richtige Musik spielt. Das Researchhaus Renaissance rechnet damit, dass dort im laufenden Jahr insgesamt 374 Börsengänge über die Bühne gehen und damit 125 Mrd. $ eingenommen werden. Das wären so viele wie nie zuvor. Doch wie so oft heisst Quantität nicht automatisch Qualität.

Auch für das vierte Quartal stehen die Unternehmen trotz der schwierigeren Marktbedingungen Schlange. Einen grossen Börsengang haben beispielsweise der Elektroautohersteller Rivian, der Lieferdienst iCart, der Versicherer FWD Group und der Cloud-Software-Spezialist Git Labs vor. Auch der Schuhhersteller Allbirds, der gerne mit On verglichen wird, steht in den Startlöchern.

Doch für all diejenigen Anleger, die denken, mit IPO sei wie von selbst viel Geld zu verdienen, ein kurzer Realitätscheck. Von den über 300 Unternehmen, die in den USA seit Anfang Jahr an die Börse gekommen sind, handelt über die Hälfte unter dem Ausgabepreis. Wer bei jedem IPO dabei gewesen wäre, der hätte etwas über 9% verdient. Als Vergleich: Der Nasdaq Composite Index hat rund 13%, der Swiss Performance Index immerhin 12% zugelegt.

Unternehmen, die neu an die Börse kommen, sind schwieriger zu beurteilen als diejenigen, die bereits seit Jahren kotiert sind und einen Track Record aufweisen. Oft kauft man nur eine Story, die nicht immer ein Happy End hat. Deshalb: Wer in ein IPO investiert, der muss sich bewusst sein, dass er grosses Risiko eingeht.