Alle Wege führen nach Paris, und dort münden sie, als zwölf Prachtavenuen, sternförmig in die Place Charles-de-Gaulle. In deren Mitte steht Frankreichs steingewordene Staatsidee: der Arc de Triomphe. Im ersten Halbjahr 2022 präsidiert Frankreich die Europäische Union. Das ist Turnus, Routine – und doch mehr, denn im April werden die beiden Runden der französischen Präsidentschaftswahl stattfinden. Amts­inhaber Emmanuel Macron steht die europäische Bühne exakt zur rechten Zeit zur Verfügung, um sich für das globale, vor allem aber heimische Publikum geschickt in Szene zu setzen. Sein diplomatisches Corps, das raffinierteste auf dem Kontinent, wird Themen und Termine so arrangieren, dass der Chef glanzvoll auftreten kann. Der ziert sich zwar noch, seine Kandidatur offiziell zu erklären, doch das ist Taktik. In Meinungsumfragen liegt er vor der Gaullistin Valérie Pécresse. Der Präsident dürfte zwar eine Stichwahl gegen die für breite Kreise nicht salonfähige Marine Le Pen bevorzugen, dennoch stehen seine Chancen auf eine zweite «Krönung» gut. Die wäre mit EU-Aura noch strahlender. Wie ja ­Paris mitunter dazu neigt, die – hélas! – weniger kultivierten Nachbarstaaten als Garnitur zu begreifen (immerhin).