Unternehmen / Finanz

Prediger der digitalen Disruption

Der Unternehmer und Autor Brett King gilt als einer der grössten Vordenker der Finanztechnologie. Banken müssten ihr heutiges System konsequent umstellen, sagt er.

Brett King spricht gerne über die Zukunft. Er ist einer jener Menschen, bei denen man glaubt, die Zukunft sei bereits da oder liege um die nächste Ecke. Er sagt Sätze wie: «Wir brauchen Banking, keine Banken.» Ihn einen Unternehmer der Finanztechnologie-Branche zu nennen, greift zu kurz. Zwar hat er mit seiner Gesellschaft Moven eine gleichnamige, mehrfach auszeichnete App entwickelt, die als mobiles Konto dient und bis zum Ende des Jahres zwei Millionen Nutzer haben soll. Doch das ist nicht das Faszinierende an dem Australier.

Der 47-Jährige ist Bestsellerautor, bezeichnet sich selbst als Technologen und Futuristen und pilgert seit Jahren um den Globus. Er reist von Konferenz zu Konferenz (zuletzt auch in Zürich), von Bank zu Bank und predigt seine Botschaft von der Disruption. Gemeint ist damit der wuchtige Struktur- und Paradigmenwandel im Bankensystem, ausgelöst durch die Digitalisierung und Mobilisierung dank Smartphones und Tablets. Das neuste Werk des Ex-Programmierers trägt denn auch den programmatischen Titel «Breaking Banks».

Wer sich King jetzt als Mann auf dem Marktplatz vorstellt, der ein selbst bemaltes Schild mit der Aufschrift «Das Ende ist nah» trägt, tut ihm Unrecht. Viele Unternehmen der Fintech-Szene machen den Strukturwandel heute schon vor und knabbern mit innovativen, mobilen, benutzerfreundlichen Lösungen an den Gewinnen der etablierten Geldhäuser. «Wie zuvor das Buch und die Musik, beheimatet das Smartphone nun auch unser Bankkonto», sagt King, «das wird die Mechanik des Bankings dramatisch verändern». Wenn die Banken in zwei Jahren keine digitale Strategie hätten, dann werde ihr Geschäft leiden. Wenn sie in acht Jahren immer noch keine hätten, seien sie aus dem Geschäft, meint King.

Welche Banken handeln richtig?

Doch eine digitale Strategie heisse nicht nur den Zahlungsverkehr und die Kontoabfragen zu digitalisieren, was heute schon jede Bank mit ihrem Online-Banking tue. «Es geht um die komplette Transformation des Geschäfts», sagt King. Das Digitale dürfe nicht, wie dies etwa die Grossbank HSBC (HSBAl 5.27 -2.57%) tue, nur als zusätzlicher Servicekanal verstanden werden, sondern auch als Einnahmequelle. «Die Digitalisierung muss als Kern einer Bank betrachtet werden», so King. Alles was eine Bank anbiete, müsse nutzerfreundlicher, einfacher und in Echtzeit mobil verfügbar sein.

Das grosse Problem des heutigen Systems ist für King, dass es auf direkten Kontakt in einer Filiale ausgelegt ist. Verständlich, denn über die Filiale generiert beispielsweise eine Retail-Bank ihre Erträge. Die junge Generation gehe aber kaum noch in eine Bankfiliale, und zukünftige Generationen würden ganz darauf verzichten, meint King. Sie wollten ein Konto eröffnen, so einfach wie sie sich ein Buch aus dem Internet herunterladen oder mittels Fingerwisch über Uber (UBER 21.34 +4.30%) ein Taxi bestellen. «Sie werden das Bankpersonal in den meisten Fällen nur noch für den technischen Support kontaktieren.»

Aber welche Banken machen es richtig? «Offensichtlich, diejenigen, die mit uns zusammenarbeiten», sagt King. Westpec in Australien, TD in Kanada, CBW Bank oder Capital One in den USA bieten ihren Kunden Moven als digitales Konto an. Moven hat es so bereits auf einen Unternehmenswert von 100 Mio. $ gebracht. In den Partnerbanken sei die Digitalisierung Chefsache, so King. Sie würden sich fragen, wie der optimale Weg aussähe, ihren Kunden Produkte und Dienste am effizientesten zur Verfügung zu stellen. «Diese Banken bauen an einer digitalen DNA, nicht nur an digitalen Kanälen», sagt King. In der Schweiz ortet der Wahl-New-Yorker dagegen Aufholbedarf. Lange glaubten die Finanzinstitute hierzulande, ihr Geschäft sei zeitresistent. Doch jetzt beeilen sie sich, mit der digitalen Bewegung Schritt zu halten. «Sie haben den Vorteil einer grossen globalen Vermögensverwaltung», sagt King. Auf diesem Alleinstellungsmerkmal gelte es aufzubauen.