Unternehmen / Finanz 07:01 - 20.03.2017

Preis der neuen Deutsche-Bank-Aktien steht fest

Das grösste deutsche Finanzinstitut legt Details zur vierten Kapitalerhöhung seit 2010 vor.
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zum Stichwort
Abschlag
Differenz in Prozenten, um die der Emissionspreis oder der Börsenkurs eines Wertpapiers den Nominalwert oder den inneren Wert unterschreitet. Gegenteil: Aufgeld .
Aktie
Wertpapier , das einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft verkörpert. Es sichert dem Eigentümer Mitgliedschaftsrechte (Stimm- und Wahlrecht an der Generalversammlung) und Vermögensrechte (Recht auf Anteil am Gewinn, Beteiligungsquote bei Kapitalerhöhungen oder am Liquidationsergebnis) zu.
Aktionär
Teilhaber einer AG bzw. Inhaber einer Aktie oder einer Mehrzahl von Aktien.
Asset Management
Geschäftsbereich, in dem die Banken die gesamten Vermögenswerte von privaten und institutionellen Kunden aktiv selbst betreuen. Dazu gehört auch das Angebot von Anlagefonds . Gegenteil: Anlageberatung .
Bezugsrecht
Recht des Aktionärs und des Partizipanten zum Bezug neuer Aktien , Partizipationsscheine oder Wandler , meist in Form eines bestimmten Coupons der Aktie oder des Partizipationsscheins.
Börse
Regelmässig stattfindender, nach feststehenden Usanzen organisierter Markt. Je nach den gehandelten Gütern spricht man z. B. von Wertpapier-, Effekten-, Devisen-, Warenbörsen oder Börsen für derivative Instrumente (Terminbörsen ).
Eigenkapital
Der Teil des Gesamtkapitals, der den Aktionären gehört und ihnen im Fall einer Geschäftsaufgabe ausgezahlt wird. Aus Sicht der Aktionäre besteht die wichtigste Aufgabe eines Unternehmens darin, auf dem Eigenkapital eine risikogerechte Rendite zu erwirtschaften (vgl. Eigenkapital der Banken ).
Fonds
Ein mit öffentlicher Werbung von Investoren zum Zweck gemeinschaftlicher Kapitalanlage aufgebrachtes Vermögen, das von der Fondsleitung in der Regel nach dem Grundsatz der Diversifikation auf Rechnung der Investoren verwaltet wird. Anlagefonds werden direkt bei der Bank und vermehrt auch über Internet-Plattformen gekauft und im Gegensatz zu ETF in der Regel nicht börslich gehandelt.
Insider
Person, die eine vertrauliche Tatsache kennt oder über nicht allgemein zugängliche Informationen verfügt, die nach ihrem Bekanntwerden voraussichtlich einen Einfluss auf den Kurs von Wertpapieren haben.
Kapitalerhöhung
Kapitalbeschaffung der Aktiengesellschaft durch Erhöhung des Aktienkapitals . Zu unterscheiden sind ordentliche, bedingte und genehmigte Kapitalerhöhung.
Kapitalmarkt
Markt für mittel- und langfristige Anlagen. Auf dem Primärmarkt finanzieren Unternehmen ihre Investitionen durch die Ausgabe von Wertpapieren (Aktien , Obligationen ), auf dem Sekundärmarkt werden die Titel gehandelt. So findet laufend eine Bewertung der Gesellschaften statt. Im Unterschied dazu dient der Geldmarkt dem Handel kurzfristiger Finanzierungsinstrumente.
Kernkapital
Kern der eigenen Mittel einer Bank (vgl. Eigenkapital der Banken , hartes Kernkapital , Tier 1 sowie Basel III ).
Kurs
Börsen- oder Marktpreis von Wertpapieren , Devisen , Münzen oder Waren. Der Kurs schwankt je nach Angebot und Nachfrage.

(Reuters)  Die Deutsche Bank hat den offiziellen Startschuss für ihre 8 Mrd. € schwere Kapitalerhöhung gegeben. Die grösste deutsche Bank legte den Ausgabepreis für die 687,5 Mio. neuen Aktien am Sonntag wie erwartet auf 11,65 € fest, wie sie in Frankfurt mitteilte. Das ist ein Abschlag von rund 35 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Das Geldhaus will mit der Kapitalerhöhung die restlichen Zweifel an ihrer Eigenkapitaldecke ausräumen. Aktionäre können die neuen Papiere von Dienstag an bis zum 6. April zeichnen – für je zwei ihrer Anteilsscheine erhalten sie ein Bezugsrecht für eine neue Aktie. Mehrere Grossaktionäre haben bereits signalisiert, dass sie mitziehen wollen.

Die Deutsche Bank schöpft ihr genehmigtes Kapital mit der Ausgabe der neuen Aktien voll aus, die Zahl der Papiere wird auf mehr als 2 Mrd. aufgebläht. Die harte Kernkapitalquote soll damit von knapp 12% auf gut 14% steigen, die kritische Verschuldungsquote soll sich auf 4,1% von 3,5% verbessern. Um den Erfolg der Kapitalerhöhung muss sich die Bank keine Sorgen machen: 30 Banken wären bereit, ihr überzählige Aktien notfalls zum Ausgabepreis abzunehmen.

Die drei grössten Aktionäre der Deutschen Bank, die zusammen auf mehr als 15% der Anteile kommen, wollen laut Insidern aber ohnehin an der Kapitalsammelaktion teilnehmen: der US-Vermögensverwalter Blackrock (BLK 378.06 -0.93%), die Herrscherfamilie von Katar und das erst kürzlich eingestiegene chinesische Finanz- und Unternehmens-Konglomerat HNA.

Es ist das vierte Mal seit 2010, dass die Deutsche Bank den Kapitalmarkt anzapft. Insgesamt wird das Frankfurter Geldhaus mit dem Abschluss der neuen Kapitalerhöhung fast 30 Mrd € eingesammelt haben. Das ist mehr als die Bank an der Börse wert ist: 24,6 Mrd. €. Für die Aktionäre hat sich noch keine Kapitalerhöhung davon ausgezahlt. Vor sieben Jahren hatten sie noch je 33 € für die neuen Anteilsscheine zahlen müssen, 2014 bot die Bank sie zu je 22,50 € an, jetzt kosten sie gut die Hälfte davon.

An der Börse hatte sich die Deutsche-Bank-Aktie nach der kostspieligen Beilegung des Streits mit den US-Behörden um faule Hypothekenpapiere wieder auf 19 € berappelt, die Ankündigung der Kapitalerhöhung vor zwei Wochen drückte den Kurs bis Freitag aber auf 17,86 €. Deutsche-Bank-Chef John Cryan hatte gleichzeitig eine überarbeitete Strategie verkündet: Die Postbank, die sich nicht wie geplant verkaufen lässt, soll in das Privatkunden-Geschäft eingegliedert werden. Stattdessen will die Bank einen Minderheitsanteil an der Fonds-Sparte Deutsche Asset Management an die Börse bringen.