Märkte / Makro

Preise im Grosshandel mit starkem Anstieg

Wegen teurer Rohstoffe und Vorprodukte sind die Verkaufspreise drastisch gestiegen. Seit mindestens 1962 waren sie nicht mehr so hoch.

(Reuters) Die Verkaufspreise im deutschen Grosshandel sind im November wegen teurer Rohstoffe und Vorprodukte so stark gestiegen wie noch nie. Sie lagen um 16,6% höher als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Das ist der kräftigste Anstieg seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1962. Damit beschleunigte sich der Preisauftrieb erneut deutlich: Im Oktober hatte die Teuerungsrate noch bei 15,2% und im September bei 13,2% gelegen.

Die Entwicklung gilt als Indikator für zukünftige Inflationstendenzen, da der Grosshandel das Scharnier zwischen Herstellern und Endkunden darstellt. Die Inflationsrate liegt aktuell mit 5,2% so hoch wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Die Wirtschaftsweisen erwarten in ihrem Jahresgutachten für die Bundesregierung für das zu Ende gehende Jahr eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,1%. Sie soll 2022 auf 2,6% fallen.

Zu den stärksten Preistreibern im Grosshandel zählten im November einmal mehr die Mineralölerzeugnisse. Sie kosteten durchschnittlich 62,4% mehr als ein Jahr zuvor, wie die Statistiker ermittelten. Altmaterialien und Reststoffe verteuerten sich sogar um 77,4%, Erze, Metalle und Vorprodukte aus Metall um 60,3%. Erheblich gestiegen sind auch die Preise für Roh- und Schnittholz (plus 41,1%) sowie für Getreide, Rohtabak, Saatgut und Futtermittel (plus 30,3%).

Wegen der raschen Erholung der Weltkonjunktur von der Corona-Rezession steigen derzeit die Preise für viele Produkte rasant. Besonders die weltgrössten Volkswirtschaften USA und China wachsen in diesem Jahr recht stark, zumal dort grosse Konjunkturprogramme aufgelegt wurden. Dadurch kommt es zu globalen Engpässen, die zu steigenden Preisen führen. Hinzu kommen gestörte Lieferketten, etwa durch Corona-Ausbrüche in China, wo die Behörden wegen eines einzigen entdeckten Falls schon mal ganze Fabriken und Häfen schliessen.