Da steht er vor dem Palace of Westminster, in Bronze gegossen, gebeugt und doch unbeugsam: Winston Churchill, Retter des Abendlands – kaum übertrieben: Nicht auszudenken, wäre Hitlers Wehrmacht das «Unternehmen Seelöwe» gelungen. Churchills aktueller Nachfolger im Amt des Premiers (noch), Boris Johnson, hat dagegen kapituliert. Nicht wegen Feindeinwirkung, sondern selbst verschuldet. Mit seinen Kapriolen hat er sich das Vertrauen der eigenen Tories verscherzt. BoJo wird bald viel Zeit haben, um sich wieder dem Schreiben zu widmen. Darin ist er dem von ihm bewunderten Churchill ähnlich: Auch Johnson ist als Autor bienenfleissig, begabt und erfolgreich, wenngleich nicht gerade auf dem Niveau des Kriegspremiers. Der war ein Meister der englischen Sprache und erhielt 1953 den Nobelpreis für Literatur. Selbstredend versäumte es Churchill nie, seine eigenen Verdienste hervorzuheben; der Titel von Johnsons Biografie «The Churchill Factor: How One Man Made History» wäre in seinem Sinn. Was Exzentrizität und Bohème-Attitüde anbelangt, übertrifft BoJo Sir Winston vielleicht sogar. Doch das war’s dann auch. Insgesamt war Johnson bestenfalls Mittelmass. Ein Denkmal wird man ihm nicht errichten.