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Notenbanken aus Schwellenländern horten Gold

Zentralbanken und ETF haben im ersten Quartal am Goldmarkt zugegriffen. Doch dem Preis des Edelmetalls nützt das nichts.

Alexander Trentin

Wären die Zentralbanken nicht, käme der Goldpreis unter Druck. Diese Schlussfolgerung kann man aus dem neu erschienenen Report der Lobby-Organisation World Gold Council ziehen, der die weltweite Nachfrage nach dem Edelmetall beziffert. Insgesamt betrug die Nachfrage im vergangenen Quartal 1053 Tonnen, das sind 7% bzw. 69 Tonnen mehr als ein Jahr zuvor.

Die Zentralbanken haben mit über 700 Tonnen in den vergangenen vier Quartalen per saldo so viel Gold (Gold 1405.43 -1.27%) in zwölf Monaten gekauft, wie es der World Gold Council noch nie zuvor beobachtet hat. Im ersten Quartal 2019 haben die Notenbanken 145 Tonnen Gold erworben – 59 Tonnen mehr als in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres.

Der beschleunigte Ausbau der Notenbankreserven machte damit über 80% des Anstiegs der gesamten Goldnachfrage aus.

Werden die Notenbanken auch weiterhin Käufer am Goldmarkt sein? John Mulligan, Head of Member and Market Relations beim World Gold Council, verweist darauf, dass viele Zentralbanken der Schwellenländer im Vergleich zu anderen Währungshütern noch untergewichtet in Gold seien.

«China könnte noch jede Menge Gold kaufen – auch wenn das Land nur zum Niveau von vor einem Jahrzehnt zurückkehren will», beobachtet Mulligan. Länder wie Katar, Kolumbien und Ecuador seien neu als Käufer am Markt aufgetreten.

Kein Signal vom Preis

Trotz der Nachfrage hält sich der Preis für Gold – wie schon seit Anfang 2017 – meist in einem engen Band zwischen 1200 und 1350 $ je Unze. Warum bekommt er keinen neuen Schub?

Die Nachfrage sei zwar gewachsen, sagt John Mulligan, aber sie sei langfristig gesehen relativ stabil: «Das erste Quartal 2018 war ausgesprochen schwach – deswegen ist der Anstieg um 7% nicht besonders gross.» Aus der Perspektive von Angebot und Nachfrage sei es nicht überraschend, dass sich der Goldpreis wenig verändere.

Auch halte die Stabilität am Goldmarkt die spekulativen Investoren fern, glaubt Mulligan: «Der Preis gibt kein besonderes Signal an Anleger, sich jetzt in Gold zu engagieren.»

Anleger fragen mehr Gold nach

Dabei folgen den Zentralbanken auch vermehrt die privaten Anleger. Die Käufe von börsengehandelten Fonds (ETF) auf Gold haben stark zugenommen.

ETF in den USA und Europa haben bei ihrer verwalteten Goldmenge insgesamt 46 Tonnen zugelegt, in Asien gab es Abflüsse. Diese gleiche Richtung der Fonds über den Atlantik hinweg sei nicht selbstverständlich, meint Mulligan. «Die Nachfrage bei den ETF in den USA reagiert meistens schnell auf die Stimmung an den Finanzmärkten.» Noch stimmungsgetriebener seien die Futures-Märkte.

Dagegen seien die europäischen ETF normalerweise langfristiger ausgerichtet. Doch in diesem Quartal hätten auch die Anleger in Europa eher taktisch gehandelt: «Im Januar gab es weiterhin Sorgen um die globale Konjunktur, das hat die Nachfrage im ersten Quartal angeregt – die ETF-Käufe haben mit der Beruhigung der Finanzmärkte aber in den zwei folgenden Monaten nachgelassen.»

Die neuesten Zahlen vom April gemäss Datendienst Bloomberg weisen daraufhin, dass die privaten Anleger sich nach dem Wachstum im ersten Quartal wieder von Gold abwenden. Die ETF-Anleger haben über die Vehikel sich von 44 Tonnen des Edelmetalls getrennt – und haben den Jahresgewinn damit wieder zunicht gemacht.

Länderspezifischen Risiken treiben Barren-Nachfrage

Im Vergleich zum ersten Quartal 2018 ist die Nachfrage nach Barren und Münzen um 1,4% zurückgegangen. In vielen Teilen der Welt – in der Türkei, im Iran, in Frankreich, den USA und Grossbritannien – ist sie stark gestiegen, wogegen China und Japan weniger nachgefragt haben.

Die länderspezifischen Risiken – die Wirtschaftskrise in der Türkei und neue US-Sanktionen gegen den Iran – waren wohl der Auslöser. Dabei seien in diesen Ländern die verschiedenen Funktionen von Gold ablesbar, erklärt Mulligan: «Im Iran ist die Goldnachfrage für Schmuck als Teil des Konsums zurückgegangen, während die Barrennachfrage wächst.»

In Grossbritannien ist wegen der Unsicherheit um den Brexit die Lust auf Goldmünzen und -barren so gross wie seit sechs Jahren nicht mehr. Sie liegt 58% höher als im ersten Quartal 2018. Im grössten Goldkäuferland Europas, in Deutschland, ist die Nachfrage dagegen nur leicht gestiegen.

Dass die Chinesen nun weniger Gold kaufen, liegt wohl am dortigen staatlichen Stimulus und an den besseren Wachstumsaussichten, mutmasst Mulligan. Trotzdem zahlt man in China mehr für Gold als auf dem Weltmarkt. Der Grund dafür sind die Quoten für den Goldimport: «Die Quoten werden immer im Vorquartal festgelegt – wegen einer Wachstumseintrübung sorgte sich die Politik damals um zu grosse Goldkäufe.»

Die Quoten seien daher niedrig festgelegt worden, was sich nun – trotz der kleineren Nachfrage – in einer zunehmenden Knappheit an physischem Gold niederschlage.

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