Unternehmen / Konsum

Private Equity hat Nestlé die Haut gerettet

Weil der Nestlé-Konzern mit dem Hautpflegemittel-Geschäft nicht mehr weiterweiss, übernimmt der Beteiligungsfonds EQT zusammen mit Staatsfonds die Regie.

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé (NESN 102.96 -0.89%) wird die Sparte Hautpflegeprodukte los, deren Bilanzwert 2017 um 2,8 Mrd. Fr. korrigiert hat werden müssen. Neue Eigentümer werden Staats- und Pensionsfonds sowie Versicherer, die unter Führung des Private-Equity-Hauses EQT 10 Mrd. $ investieren.

Für Beteiligungsbranche lange erhoffter Gross-Deal

Dank dieser Riesentransaktion klettert das bislang karge Einkaufsvolumen in Europa von Privatmarktanlegern auf den Zwischenstand von 33,5 Mrd. $.

Gemäss dem Datenanbieter Refinitiv ist nun in etwa erreicht, was in den beiden Vorjahren jeweils bis Mai in europäische Buy-outs gesteckt worden ist.

Anders als Novartis mit der Sparte Alcon konnte

Die Pharmagruppe Novartis (NOVN 91.26 0.09%), die ebenfalls dieses Jahr einen «Fremdkörper» aus der Konzernstruktur entfernt hat, schlug die Augenheilmittelsparte Alcon (ALC 54.23 -1.09%) über eine Separatkotierung los. Doch Nestlé konnte nicht gleich vorgehen. Die Finanzzahlen des Hautpflege-Geschäfts sind zu wenig stimmig für ein gutes «Börsenleben».

Nun packen EQT und ihre Mitinvestoren die Aufgabe an, aus dem 3-Mrd.-$-Business ein florierendes Gebilde zu formen. Zwar arbeiten Private-Equity-Akteure vermutlich nicht besser als ein fokussiertes Konzernmanagement, aber wahrscheinlich auch nicht schlechter.

Der Kapitaleinsatz ist kein Thema – aber auch Nestlé und andere Börsenschwergewichte sind mit Kapital gut gefüllt. Die Beteiligungsfonds des Private Equity (PEHN 58 0.87%) können jedoch aggregiert jederzeit 800 Mrd. $ bei den Anlegern abrufen, denn auf diese hohe Summe veranschlagt das Branchennetzwerk Preqin das lagernde «Investment-Pulver».

Nach teurem Einstieg sind Business-Ideen gefragt

Einziger wirklicher Unterschied zu Börsenunternehmen, die wie Nestlé ab und an mit aufsässigen Aktivisten-Investoren konfrontiert sind, ist Zeit. EQT und andere Buy-out-Manager haben wenige Kritiker, aber viel Zeit. Nicht die Quartale zählen, sondern die Jahre.

Auch beim bisherigen Nestlé-Problemkind wird es darauf hinauslaufen, dass EQT den Verwaltungsrat mit branchenerfahrenen Managern bestückt, zusammen mit ihnen das operative Geschäft optimiert und Devestitionen wie auch Akquisitionen durchzieht.

Wenn mit solchen Entwicklungsschritten – auch dank Absenz vom Börsenrummel – über die Jahre eine deutliche Steigerung von Gewinn und Unternehmenswert gelingt, wird der hohe Einstiegspreis nebensächlich.

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