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Private Equity setzt auf Fussball

KKR steigt in Hertha BSC ein und investiert 61 Mio. €, und auch der HSV will sich Investoren öffnen. Die Beteiligung von Privaten an Clubs macht langsam Schule – es locken Vermarktungsrechte.

Dietegen Müller, Frankfurt

Am Freitagnachmittag war es offiziell: Der US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) beteiligt sich mit 9,7% am Berliner Bundesligisten Hertha BSC. Dafür investiert KKR 61,2 Mio. € und sichert sich gemäss Spiegel online eine siebenjährige Kooperation mit dem Club, der wie so viele andere unter Finanzproblemen leidet. Mit dem Geld soll die Verschuldung abgebaut und sollen Rechte zurückerworben werden.

Junge Talente einkaufen

Michael Preetz, Geschäftsführer bei Hertha BSC, lässt sich dazu zitieren: «Der Erfolg professioneller Fussballvereine hängt nicht nur von der sportlichen, sondern auch von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ab.» Die Partnerschaft mit KKR  bedeute einen «Quantensprung für die wirtschaftliche Seite», in Zukunft werde der Verein mehr Freiräume haben. Preetz ergänzte: «An unserer bisherigen Strategie, auf unsere exzellente Nachwuchsarbeit zu setzen und junge, talentierte Spieler einzubinden, werden wir uneingeschränkt festhalten.» Der Europachef von KKR, Johannes Huth, sieht «deutliches Potenzial, den Verein national und international stärker zu etablieren».

Was hat Kühne noch alles mit dem HSV vor?

Erst am 19. Januar hatte sich die Mehrheit der Mitglieder des HSV für die Ausgliederung der Profisparte entschlossen. Damit kann sich ein Investor beteiligen – im Gespräch ist gemäss «Sport Bild» Klaus-Michael Kühne, Mehrheitsaktionär von Kühne + Nagel (KNIN 260.20 -3.74%), der angeblich bis 100 Mio. € investieren könnte.

Auf die Finanzspritzen eines illustren Unternehmers hat bereits der TSG 1899 Hoffenheim zurückgegriffen. SAP-Co-Gründer Dietmar Hopp soll gemäss deutschen Medien seit 1989 rund 350 Mio. € in den Club investiert haben; SAP (SAP 120.48 -0.02%) ist ein Hauptsponsor. Viel Geld im Spiel ist auch bei Bayern München, wo Sponsoren Adidas (ADS 252.35 -1.50%) und Audi mit für den finanziellen Backup des Bundesliga-Überfliegers aufkommen. 2005 hatte der inzwischen inhaftierte Investor Florian Homm sich an BVB beteiligt. Die Borussia Dortmund (BVB 4.3180 +0.47%) GmbH & Co KGaA ging 2000 an die Börse und hat den finanziellen Turnaround erst 2012 geschafft – entsprechend volatil sind die Aktien.

Bisher ist der BVB als kotierter Club in Deutschland ein Exot geblieben – es gibt keinen anderen namhaften deutschen Verein, der an der Börse ist oder von dem bekannt wäre, dass er sich bald dem Publikum öffnen will. Bleibt abzuwarten, was KKR noch alles mit Hertha BSC vorhat. Im Zentrum dürften aber die Sportrechte sein, die, wenn sie international – etwa in Asien – vermarktet werden können, offenbar die Fantasie von Private Equity (PEHN 101.00 +0.00%) wecken.