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Hot Corner: Problemfall in Zürich

Der US-Rückversicherer RenaissanceRe übernimmt den Zürcher Branchennachbar Tokio Millennium Re, muss dafür aber zusätzliches Kapital beschaffen.

Thomas Hengartner

Tokio Millennium Re muss sich neu orientieren: Der Rückversicherer um CEO Stephan Ruoff mit Hauptsitz in Zürich und Niederlassungen auf Bermuda, in Grossbritannien und in den USA wird von Tokio Marine verkauft. Der ­japanische Mutterkonzern zieht sich vollständig zurück.

Neuer Eigner wird die US-kotierte RenaissanceRe (New York NYSE: RNR, Kurs 130.86 $, 5,3 Mrd. $ Börsenwert). Sie ist bereit, für Tokio Millennium Re 1,5 Mrd. $ in cash und eigenen Aktien zu ­bezahlen.

Finanzpartner aus den USA

Einen Finanzierungspartner hat RenaissanceRe in der Versicherungsgenossenschaft State Farm gefunden. Die 1922 von einem Landwirt und teilzeitlichen Versicherungsagenten gegründete Genossenschaft gehört zu den führenden Anbietern von Auto- und Gebäudepolicen in den USA. State Farm wird für eine Summe von 250 Mio. $ neue Aktien von RenaissanceRe erwerben und ihre Beteiligungsquote auf 4,8% ausdehnen.

Tokio Millennium Re verlor die Gunst der Verantwortlichen an der Konzernzentrale in Japan, weil die gewählte Risikoexponierung zuletzt in einen Verlust mündete. 2017 waren alle Rückversicherer wegen der grossen Schäden der ­September-Hurrikane in den USA arg gefordert. Alle mussten deswegen einen Taucher des Jahresergebnisses hinnehmen, doch Tokio Millennium landete mit 160 Mio. $ in der Tinte. In den Vorjahren wurden Überschüsse von jeweils rund 100 Mio. $ erwirtschaftet, was bezogen auf die 1,1 Mrd. $ Eigenmittel beinahe 10% Rendite eingebracht hatte.

«Einmalige» Chance

Der neue Eigentümer erkennt Chancen in der Kombination der Kunden- und Kontraktportefeuilles. CEO Kevin O’Donnell meldet, durch diese wuchtige Transaktion werde «eine einmalige Wachstumsmöglichkeit» genutzt. Auch RenaissanceRe landete 2017 im Verlust, und zwar mit 245 Mio. $. Doch ihr Geschäftsvolumen entspricht dem Fünf­fachen des von Tokio Millennium Re, was relativ betrachtet einem deutlich günstigeren Profil gleichkommt.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s vergibt die Note A+. Damit steht RenaissanceRe im Bonitätsrating nur wenig unter dem Doppel-A der Branchenleader Swiss Re (SREN 89.56 -0.69%) und Münchener Rück (MUV2 188.2 0.19%). Die Kapitalbasis ist also kräftig. Doch wegen der bevorstehenden Kapitalerhöhung ist ein Kauf der Renaissance-Aktien ein Wagnis. So richtig überzeugt sind nur zwei von zwölf Analysten der Bloomberg-Datenbank. Immerhin neun raten, die Valoren zu halten.

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