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Hot Corner: Profiteur der Datenflut

Western Digital profitiert von der Menge an Daten, die irgendwo gespeichert werden müssen. Aber die Branche ist hart.

Thorsten Riedl

Die Welt ersäuft in Daten: Jedes Instagram-Bild, jeder Post auf Facebook (FB 187.19 -0.15%), jede WhatsApp-Nachricht, jedes Spotify-Lied, jeder Netflix-Film lagert irgendwo in einem Rechenzentrum – in der Regel auf einer Festplatte. Und wahrscheinlich auf einer von Western Digital (Nasdaq: WDC; Kurs: 90.55 $; Börsenwert: 26,1 Mrd. $). Der Speicheranbieter hat letztes Jahr den Markt angeführt. Ein Selbstläufer ist das Geschäft allerdings nicht: Die Bandagen sind hart, die Margen dünn. Western Digital (WDC 64.6 -0.15%) könnte aber zu den Gewinnern gehören.

Im Markt für nichtflüchtigen Computerspeicher haben sich einmal eine Menge Anbieter getummelt – jetzt sind es nur noch drei. Und die Nummer drei will auch nicht mehr. Gemäss Daten von Trendfocus kam Western Digital im vergangenen Jahr auf einen Marktanteil von 41,4%, Seagate erreichte auf dem zweiten Platz 36,6. Mit 22,1% lag Toshiba auf dem Dritten. Ausgelöst durch eine veritable Unternehmenskrise will Toshiba sich vom Speichergeschäft trennen. Lange wurde Western Digital als Kandidat für den Kauf gehandelt.

Verlorenes Bieterrennen

Nun sieht es so aus, als würde ein Konsortium aus unter anderem dem Wagniskapitalgeber Bain Capital, aber auch Tech-Konzern Apple (AAPL 218.75 -1.94%) den Zuschlag für 18 Mrd. $ erhalten. Fix ist das noch nicht, aber Western Digital scheint aus dem Rennen.

Ein Grund für die starke Konsolidierung des Markts sind die fallenden Preise. So hat laut einer Erhebung des Branchenexperten Matthew Komorowski ein Gigabyte Anfang der Achtzigerjahre 500 000 $ gekostet. Zehn Jahre später lag der Preis bei «nur» noch 9000 $, weitere zehn bei weniger als 10 $ und noch mal eine Dekade weiter bei 0,07 $. Von diesem Niveau haben sich die Preise bis heute erneut gedrittelt. Die Hersteller haben sich daher zusammengeschlossen, um über die schiere Masse das Geld zu verdienen.

Toshiba wäre für Western Digital auch interessant gewesen, weil das zweite Standbein des Unternehmens NAND-Chips sind. Die werden für Flash-Speicher benötigt, wie er sich beispielsweise in jedem Smartphone, Tablet oder auf Speicherkarten für Kameras findet. Seit geraumer Zeit gibt es Produktionsengpässe. Western Digital lässt über die Tochtergesellschaft Sandisk in Werken von Toshiba produzieren. Die Verträge mit dem japanischen Hersteller sichern Western Digital allerdings weiter Fertigungskapazitäten auch im Falle eines Verkaufs an Dritte.

Ordentliche Dividende

Für das laufende Geschäftsjahr, das im Juni endet, rechnet das Western-Digital-Management mit einem Gewinn pro Aktie von 13 $. Das wäre etwas mehr als die von Analysten geschätzten 12.71 $. Western zahlt eine Quartalsdividende. Die nächste Zahlung in Höhe von 0.50 $ wird Ende Dezember fällig. Die Dividendenrendite beläuft sich auf 2,3 %. Kein schlechter Wert für einen Tech-Konzern.

Eine Gefahr für die Festplattenhersteller könnten schnellere, Flash-basierte Laufwerke sein. Aber auch hier scheint Western Digital besser aufgestellt als Rivale Seagate, denn das Unternehmen hat schon Flash-Know-how zugekauft. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis 2018 der Papiere erreicht 7, Seagate kommt auf 10. Mittelfristig bieten Western Potenzial.

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