Der Himmel hängt hier voller Hamme, wie es sich auf Berndeutsch stabreimen liesse: Schmackhafter Schinken reift vor sich hin. Der edle «Pršut» (darin klingt Prosciutto an) aus dem montenegrinischen Flecken Njeguši braucht ein Jahr des Salzens, Räucherns, Trocknens, bevor er auf den Markt kommt. Aus dem Schinken-Dorf stammt auch die Dynastie der Petrović-Njegoš, die von 1697 bis 1918 Montenegro beherrschte – dessen Berge keineswegs schwarz sind; der dies besagende Name Crna Gora stammt vom Woiwoden Stephan Crnogorai aus dem 15. Jahrhundert. Der aktuelle starke Mann des Ländchens (fast doppelt so gross wie Graubünden, etwas weniger Einwohner als der Aargau) ist Staatspräsident Milo Djukanovic. Er ist schon zum wiederholten Mal im Amt, und zwischendurch war Djukanovic, erst 58, mehrfach Premierminister: Er und seine Partei regieren Montenegro, das seit 2006 unabhängig ist, seit drei Jahrzehnten. Kein Wunder, wird das Regime nicht etwa von feinem Duft nach Trockenfleisch umweht, sondern vom Hautgout von Manipulation, Korruption, gar Kriminalität. Am 30. August wird das Parlament neu gewählt. Bis die Opposition das Regime geschasst hat, dürfte freilich noch mancher Pršut gedeihen.

(Bild: Urs Flueeler/Keystone)