Zum Thema: Pensionskassen konkurrieren mit Banken

Publica holt Zusatzzinsen mit US-Versicherern

Stefan Beiner, Anlagechef der Bundespensionskasse Publica, erklärt die geschickte Kredit-Kooperation und erläutert zudem die Präferenzen für eine optimale Aktienanlage.

Die Bundespensionskasse Publica führt unter einem Dach gut 20 wirtschaftlich selbständige Vorsorgeeinrichtungen für rund 80 Arbeitgeber der öffentlichen Hand. Als grösste schweizerische Trägerin der beruflichen Vorsorge betreut sie das Vorsorgevermögen von rund 63 000 Beschäftigten und 43 000 Rentnern.

Herr Beiner, wie sehr ist Publica von der desolaten Zinslage am Schweizer Kapitalmarkt betroffen?
Wegen der niedrigen Renditen und der hohen Bewertung der Aktienbörsen ist auf unserem Portfolio für die absehbare Zeit nur eine geringe Performance realistisch. Sie untertrifft für die nächsten drei bis fünf Jahre die Sollrendite, die sich aus der Verzinsung der Rentnerguthaben und der Spargelder der Beschäftigten errechnet.

Was kann unternommen werden?
Wir stehen wie die meisten Vorsorgeeinrichtungen im Dilemma, entweder für künftige Pensionierungsjahrgänge das Rentenversprechen bzw. den angebotenen Umwandlungssatz zu kürzen oder grössere Investmentrisiken einzugehen.

Wofür haben Sie sich entschieden?
Weil die meisten Anlageklassen bereits hoch bis sehr hoch bewertet sind, kommt es momentan nicht in Frage, substanziell grössere Anlagerisiken einzugehen. Bleiben die Zinsen über längere Zeit auf dem heutigen sehr tiefen Niveau, muss unser oberstes Führungsgremium nächstes Jahr die weitere Verminderung von Rentenversprechen und Umwandlungssatz prüfen.

Welche Massnahmen haben Sie im Investmentbereich ergriffen?
Wir haben unser Vorgehen des Asset-Liability-Management dynamisiert. Es lotet die vorhersehbare Entwicklung der Aktiven und Passiven aus. Auf dieser Grundlage und unter Berücksichtigung von Risikofähigkeit und Risikobereitschaft wird die Anlagestrategie festgelegt.

Wie können die Anlagebausteine Ihres Portefeuilles optimiert werden?
Aus Kostengründen werden unsere Aktien­engagements bereits indexiert umgesetzt. Wir bewegen uns jedoch weg von der Nachbildung üblicher Standardwertindizes. Beispielsweise werden Teile der Aktienanlagen neu an Indizes ausgerichtet, die entweder schwankungsarme Aktien enthalten – im englischen Sprachgebrauch Low Volatility genannt – oder Aktien mit Substanzwertcharakter aus defensiven Branchen. Dieses Vorgehen wird oft Smart Beta genannt.

Verwenden Sie Kurssicherungen?
Aktienabsicherungen haben wir detailliert analysiert, aber aus strategischen Gründen bis anhin verworfen. Sollte sich die ökonomische Situation ändern, werden wir es wieder in Betracht ziehen. Wir nutzen aber den mit der Anlagestrategie tolerierten taktischen Spielraum. So unterschreiten wir die vorgegebene Aktienquote, wenn Indikatoren besonders grosse Baissegefahr anzeigen. Das machten wir beispielsweise 2008 während der Finanzmarktkrise. Langfristig konnten wir so einen Vorteil erzielen.

Wie verhalten Sie sich auf den Zinsanlagen?
Wir investieren vermehrt in inflationsgeschützte Staatsanleihen und neuerdings in private Unternehmensdarlehen, denn diese bieten im Schnitt eine etwa 0,5 Prozentpunkte bessere Rendite als kotierte Unternehmensanleihen der gleichen Ratingstufe und Laufzeit. Es stellt sich gar eine Qualitätsverbesserung ein, weil wir als Gläubiger von Kreditsicherheiten und weiteren vertraglich festgehaltenen finanziellen Zusicherungen der Schuldner profitieren.

Auf solchen nicht kotierten Strukturen müssen aber auch institutionelle Anleger in der Regel hohe Gebühren zahlen?
Wir entschlossen uns deshalb, mit den US-Versicherern Prudential (PRU 15.70 -4.27%) und Metlife zusammenzuarbeiten, welche langjährige Erfahrung in privaten Märkten vorzuweisen haben. Diese Grossanleger eröffnen der Publica die Möglichkeit, mit minderheitlichen Tranchen an Unternehmensdarlehen zu partizipieren, die sie geprüft und auch im eigenen Vermögen verbucht haben. Mit dieser Struktur von Co-Investments umgehen wir die hohen Gebühren, die spezialisierte Privatmarkt-Fondshäuser für die Vermittlung von Darlehensportfolios verlangen. Zudem arbeiten wir so mit Partnern zusammen, die gleiche Interessen verfolgen wie wir.

Welchen Umfang nehmen diese Kredite im Publica-Vermögen ein?
Auf mittlere Frist möchten wir rund 4% der Gesamtanlagen in solchen Direktdarlehen halten. Im Gegenzug verringern wir schrittweise die Vermögensquote ausländischer Staatsanleihen.

Wie halten Sie es mit der Sicherung der Fremdwährungsengagements?
Langjährige Messungen zeigen, dass Schweizer Anleger auf Auslandinvestments auf dem Devisenkurs in keiner Weise systematisch gewinnen können. Das Fremdwährungsrisiko für sich allein genommen lohnt sich folglich nicht. Deshalb sichert Publica die Währungen aller Industrieländer ab. Dazu führen zwei zugezogene Finanzdienstleister rollende Termingeschäfte auf dem Gesamtvolumen der entsprechenden Devisen.

Können Alternativinvestments einen überdurchschnittlichen Beitrag zur Portfolioperformance leisten?
Von den Immobilienanlagen erwarten wir das schon. Inländische Objekte werden von einem eigenen Team betreut, dazu prüfen wir, im Ausland geeignete Investments zu tätigen. Hedge Funds meiden wir, da wir viele Strategien als intransparent und illiquid einstufen. Auf Private Equity (PEHN 89.00 -0.56%) haben wir bis heute verzichtet, da mittels einer Umsetzung via Dachfonds netto nach Kosten im Durchschnitt nicht mehr bleibt als mit einem Investment in kotierte Aktien. Bei einer direkteren Umsetzung, sprich entsprechenden internen Ressourcen, ist die Erfahrung grosser institutioneller Investoren positiver.

Könnte Publica nicht einfach die Aktienquote hochschrauben, um sich mehr Performancechancen zu erschliessen?
Jede Pensionskasse muss Schwankungen und Ausfallrisiken selbst tragen. Risikoträger sind damit u.a. die versicherten Personen, denn sie müssten ein Vermögensmanko sanieren. Die Publica-Leitung entschied im Rahmen des Risikobudgets für offene Vorsorgewerke bzw. reine Rentnerkassen völlig unterschiedliche Anlagestrategien. Jede ist darauf ausgelegt, eine massive Unterdeckung mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit zu vermeiden.