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Putin will Exporte in Brics-Länder umleiten

Der russische Präsident will seine Waren- und Energieexporte in Zukunft über die Schwellenländer abwickeln.

(Reuters) Brasilien und Indien statt EU und Grossbritannien: Russland wird seine Waren- und Energieexporte nach den Worten von Präsident Wladimir Putin wegen der westlichen Sanktionen in grosse Schwellenländer umleiten. In einer Videoansprache beim Wirtschaftsforum der fünf grossen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (Brics) sagte Putin am Mittwoch: «Die Präsenz Russlands in den Brics-Ländern nimmt zu, und die Exporte von russischem Öl nach China und Indien haben deutlich zugelegt». Russland hat nach chinesischen Angaben im Mai so viel Öl in die Volksrepublik verkauft wie noch nie und ist damit zum grössten Öl-Lieferanten des bevölkerungsreichsten Landes der Welt aufgestiegen. Man spreche über eine verstärkte Präsenz chinesischer Autos auf dem heimischen Markt sowie über die Eröffnung indischer Supermarktketten, sagte Putin.

Russland arbeite zudem gemeinsam mit seinen Brics-Partnern an alternativen Mechanismen für internationale Finanzabrechnungen, nachdem sein Land wegen des Einmarsches in die Ukraine weitgehend vom internationalen Zahlungsnetzwerk Swift abgeklemmt worden ist. «Das russische Finanzdatensystem ist offen für die Verbindung mit den Banken der Brics-Länder», sagte Putin. Das sogenannte Mir-Zahlungssystem baue seine Präsenz aus. «Wir prüfen die Möglichkeit der Schaffung einer internationalen Reservewährung auf der Grundlage eines Korbes von Brics-Währungen», sagte Putin.

Chinas Präsident Xi Jinping rief auf der selben Veranstaltung zu mehr internationaler Zusammenarbeit auf und kritisierte die westlichen Sanktionen gegen Russland. «Die Ukraine-Krise ist ein Alarmsignal für die Welt», sagte Xi per Videoansprache. «Die Fakten haben wieder einmal bewiesen, dass Sanktionen ein zweischneidiges Schwert sind.»

Xi rief zu einer stärkeren Koordinierung der Konjunkturpolitik auf. Damit könne verhindert werden, dass sich der weltweite Aufschwung verlangsame oder gar unterbrochen werde. Die grossen Industrieländer sollten eine «verantwortungsvolle» Wirtschaftspolitik betreiben.

Russland hat die Ukraine am 24. Februar überfallen. Danach haben die USA, die EU und ihre Verbündeten Sanktionen beschlossen.

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