Dossier-Bild Ein Artikel aus dem Dossier Nonvaleur
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Puttin’ on the Ritz

Manfred Rösch

«If you’re blue and you don’t know where to go to, why don’t you go where fashion sits? Puttin’ on the ritz» – weltberühmte Verse aus Irving Berlins raffinierter Komposition von 1929, längst ein Jazz-Standard. «Puttin’ on the ritz» heisst: sich in Schale werfen, abgeleitet vom schicken Hotel Ritz; «ritzy» heisst elegant.

Hätte Cäsar Ritz, aus dem Nest Niederwald im Goms, beispielsweise stattdessen Hermann Aufdenblatten geheissen – nicht auszudenken. Doch der ­«Hotelier der Könige und König der ­Hoteliers» war ein Mann wie eine Marke.

Cäsar, später verfeinert César Ritz war die steile Hotelleriekarriere nicht in die ärmliche Wiege gelegt, in die man ihn 1850 bettete. Nach den Kindheitsjahren, verbracht mit Ziegenhüten im Sommer und Schule im Winter, zeigte er als Kellnerstift in Brig kein Talent. Dazu brauchte es wohl den Genius loci von Paris, wohin der junge Ritz entfloh – und wo er in der gehobenen Beherbergung rasch aufblühte. Nebenher wurde er ein Copain des Kochkünstlers Auguste Escoffier, des Gourmet-Gurus der Haute cuisine.

Bald schon flitzte Ritz von Nizza nach Biarritz, von Baden-Baden nach Cannes, von Luzern auf den Rigi, als rasender Manager edelster Häuser. Früh erkannte er: Der Gast von Stand und Welt begehrt den Komfort der Moderne – Bad, elektrisches Licht, Telefonanschluss, alles bei erstklassigem Service, bien entendu.

1898 krönte sich César Ritz: An der ­Pariser Place Vendôme öffnete «Le Ritz». Escoffier schwang den Kochlöffel. Übrigens «befreite» Ernest Hemingway 1944, als Kriegsberichterstatter, persönlich das Ritz – die Wehrmacht war unsportlicherweise schon weg, vernichtet wurde stattdessen der Martini-Bestand der Bar.

1906 folgte, nicht minder mondän, «The Ritz» in London (hier eine 1957 gezeichnete Aktie; Ritz war im kapitalintensiven Gastrogeschäft für seine Projekte auf finanzierendes Publikum angewiesen). Doch just damals verfiel der Rastlose in eine chronische Depression. Der Tod erlöste ihn 1918. Cäsar Ritz ruht in rustikaler Bergheimat.