Meinungen

Quote – erfüllen oder erklären

Der Bundesrat will eine Geschlechterquote von 30% in börsenkotierten Unternehmen. Doch Corporate Governance ist nicht Sache des Staats. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Manfred Rösch.

«Manches Unternehmen sähe sich gezwungen, im Vergütungsbericht Zerknirschtheit zu mimen und Besserung zu geloben.»

In Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der «wirtschaftlich bedeutenden, börsenkotierten» Gesellschaften soll jedes Geschlecht zu mindestens 30% vertreten sein. Der Bundesrat schlägt vor, dass dieser Zielwert – faktisch in aller Regel eine Frauenquote – binnen fünf Jahren erreicht werden soll. Unternehmen, die das nicht schaffen, sollen ab dann im Vergütungsbericht die Gründe und die Massnahmen dagegen erklären müssen.

Dieser Ansatz heisst Comply and Explain, wie Justizministerin Simonetta Sommaruga am Freitag diese Änderung des Aktienrechts erklärte. Selbstregulierung führe nicht zum Ziel (etwa 60% der kotierten Gesellschaften haben keine Frau im Verwaltungsrat), also brauche es rechtlichen und politischen Druck. Dieser Schluss überzeugt a priori nicht, denn Unternehmensführung, Corporate Governance, ist gar nicht Sache des Staates, sondern der Eigentümer. Was hier in die Vernehmlassung gegeben wird, ist ein gesellschaftspolitisch motivierter Eingriff in deren Rechte.

Ob den Frauen, die in den nächsten Jahren gegebenenfalls in Verwaltungsräte gewählt würden, mit dem Quoten-Etikett gedient wäre? Und wie würden sich die  bereits jetzt in VR tätigen Frauen fühlen? Noch fragwürdiger ist die Absicht, auch die operativen Gremien mit sanftem Druck von oben zu verweiblichen – der Staat würde so in die Kernzuständigkeit des Verwaltungsrats einwirken. Das ginge weit über das hinaus, was in einer marktwirtschaftlichen Rechtsordnung als Setzen von Rahmenbedingungen zulässig und nötig  ist. Freilich passte eine solche Quotenvorschrift in das ständig dichter werdende Regulierungsgestrüpp. Manches Unternehmen sähe sich dann gezwungen, im Vergütungsbericht jährlich Zerknirschtheit zu mimen und Besserung zu geloben. Oder aber, falls sich niemand mit den notwendigen Qualifikationen finden lässt, die Geschäftsleitung um ein paar Funktionen des mittleren Managements aufzublähen.

Schliesslich ist die Aufteilung in etwa 250 Publikumsgesellschaften und alle anderen (etwa 99,5% aller Schweizer Unternehmen) problematisch. So sind viele Kotierte etwa neben den beiden genossenschaftlichen Detailhändlern Winzlinge. «Bedeutend» klingt gewagt, wenn der Bund als Mindestkriterien 20 Mio. Fr. Bilanzsumme, 40 Mio. Fr. Umsatz oder 250 Arbeitsplätze setzt.

Bundesrätin Sommaruga sagte, dass die Quotenregelung auch für Nichtkotierte zum «Gesprächsthema» werden soll. Ergo ist damit zu rechnen, dass nach diesem ersten Vorstoss irgendwann grössere Kaliber aufgefahren werden dürften – das Thema ist international en vogue, also auch hierzulande schick, und es lässt sich politisch einfach zu gut vermarkten.

Der Linken wird eine Quote ohne  Sanktionsregime als Alibiübung missfallen, rechts wird bereits die Quote Comply and Explain wenig begeistern. Und die Publikumsaktionäre? Die erwarten von VR und Management einfach Leistung. Völlig geschlechtsneutral.