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Raiffeisen-Chef: Finma-Verfahren im Mai beendet

Patrik Gisel, CEO der Genossenschaftsbank, will weiterhin über dem Markt wachsen und gibt sich zum Finma-Verfahren gelassen.

«Wenn eine Retailbank nicht wächst, ist sie zum Tode verurteilt», sagt Patrik Gisel, Chef von Raiffeisen. Die Genossenschaftsbank gebe seit Jahren Vollgas auf dem Hypothekarmarkt, erklärt der CEO der drittgrössten Bank der Schweiz an der neunten Auflage des Finanz und Wirtschaft Forum «Vision Bank – Vision Finanzplatz» am Dienstag.

«Wir wollen den Markt weiterhin schlagen», sagt er, sonst werde man automatisch schlechter als die Konkurrenten. Seit Jahren wächst Raiffeisen über dem Markt, hat vor allem den beiden Grossbanken UBS (UBSG 14.82 +1.93%) und Credit Suisse (CSGN 9.90 +1%) Marktanteil abgenommen und vergibt heute jede vierte Hypothek in der Schweiz.

Kritik an der Aufsicht

Auf die Frage von Clifford Padevit, dem stellvertretenden Chefredaktor von «Finanz und Wirtschaft», ob Raiffeisen nicht ein Risiko für den Schweizer Markt bedeute, antwortet Gisel offen: «Mit 17% Marktanteil sind wir ein potenzielles Risiko für den Markt, aber unsere genossenschaftliche Aufstellung sorgt für Sicherheit.»

Deswegen sei Raiffeisen auch zu einer systemrelevanten Bank erklärt worden und sei entsprechend reguliert. Gisel findet es allerdings «schräg, nun die ganze Zeit mit der Finanzmarktaufsicht über die Abwicklungspläne der Bank zu reden». Der Raiffeisen-CEO kritisiert zudem, dass die fünf systemrelevanten sehr unterschiedlichen Institute von der Finma regulatorisch über einen Kamm geschoren werden.

Investnet nicht in Frage gestellt

Die Finma führt zurzeit ein Verfahren gegen Raiffeisen. Laut Gisel kritisiert sie den technischen Ablauf, wie Raiffeisen gewisse Beteiligungen an anderen Unternehmen aufgebaut hat – unter anderem die Beteiligung an Investnet. «Wir haben die Prozesse geändert und schauen jetzt, was dabei rauskommt», sagt Gisel. Von personellen Konsequenzen gehe er nicht aus.

«Wir sind an einer Entflechtungsstrategie», sagt Gisel. «Wir wollen Kooperationen nicht mit Eigentümerinteressen belasten.» Man sei auch dabei «zu überlegen, wie wir das Modell Investnet weiterentwickeln wollen». Das Gesamtmodell stellt Gisel aber nicht in Frage.

Investnet ist einer der Gründe für das Finma-Verfahren gegen die Bank. Gisels Vorgänger als Raiffeisen-CEO, Pierin Vincenz, ist Verwaltungsratspräsident von Investnet. Unter seiner Ägide stieg damals Raiffeisen bei Investnet ein. Auch gegen Vincenz persönlich lief ein Finma-Verfahren, das inzwischen aber eingestellt wurde.

Gisel hofft, dass das Verfahren gegen Raiffeisen «allerspätestens im Mai» abgeschlossen wird. «Ich hoffe auf April», sagt er.