Märkte

Rally am Kryptomarkt – trotz des Fed

Die Angst vor einem US-Zinsanstieg ist noch nicht überwunden. Die EZB lässt sich indes nicht in die Karten schauen. Die Kryptokurse steigen.

Dennis Ehlert, Portfoliomanager / Derivathändler, Seba Bank

Die US-Notenbank beendet bis März ihre Anleihenkäufe und schafft damit die Voraussetzung für eine erste Zinserhöhung noch in diesem Quartal. Die EZB hingegen lässt sich trotz hoher Inflation nicht aus der Ruhe bringen und hält vorerst an ihrem negativen Einlagensatz von –0,5% fest. Die Tür für eine künftige Erhöhung steht jedoch offen. Klarheit sieht anders aus. Der Kryptomarkt trotzt der Ungewissheit mit einer beeindruckenden Preisrally und signalisiert erste Anzeichen von Optimismus.

Seit dem Kurseinbruch auf 35’500 $ am 27. Januar als Reaktion auf die Beschlüsse des Offenmarktausschusses ist der Preis für Bitcoin innerhalb der letzten zwei Wochen deutlich gestiegen, um 19% auf 42’412 $. Ethereum, die zweitgrösste Kryptowährung, verzeichnete in den vergangenen zwei Wochen Kursgewinne von etwa 21%, der stärkste Zuwachs innerhalb der Top-zehn-Währungen, gefolgt von Bitcoin (19%), Polkadot (16%) und Solana (16%).

Die jüngste Rally hat die Marktdominanz von Bitcoin auf etwa 42% angehoben, während die Marktkapitalisierung von Ethereum mit 365 Mrd. $ knapp 19% des Gesamtmarktes entspricht. Die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen beträgt 1,7 Bio. $.

Die durchschnittliche Jahresperformance der zehn grössten Kryptowährungen liegt seit Jahresbeginn bei –20%.

Wonderland-Skandal hat Folgen für weitere DeFi-Plattformen

2019 machte die kanadische Kryptobörse QuadrigaCX Schlagzeilen, als gewissermassen über Nacht 200 Mio. $ an Kundengeldern verloren gingen und sich die Börse als Schneeballsystem entpuppte.

Wie über Twitter (TWTR 42.52 +3.56%) bestätigt wurde, ist der damalige QuadrigaCX-Mitgründer Michael Patryn auch Finanzvorstand des DeFi-Projekts Wonderland (TIME), eines Fork des DeFi-Protokolls OlympusDAO (OHM). Michael Patryn hat bereits achtzehn Monate wegen Kreditbetrugs im Gefängnis verbracht und ist als mutmasslicher Serienbetrüger bekannt.

Die Wonderland-Community zeigte sich besorgt um die Sicherheit der hinter dem Projekt befindlichen Bargeldbestände von etwa 600 Mio. $.

Michael Paytryn wurde kurzerhand über eine Online-Abstimmung als Schatzmeister abgewählt, während das Projekt Wonderland unter der Führung von Mitbegründer Daniele Sestagalli nach kurzem Hin und Her weiterhin bestehen bleibt. Entscheidend ist jedoch, dass Daniele Sestagalli über die kriminelle Vergangenheit seines Mitgründers Bescheid wusste. Die Folgen des Skandals reichen weit über den Kursverlust des TIME-Tokens von 54% innerhalb der vergangenen zwei Wochen hinaus.

Daniele Sestagalli ist ebenfalls Mitbegründer der DeFi-Plattform Abracadabra, die Investoren gegen Hinterlegung von zinsbringenden Sicherheiten die plattformeigene Währung MIM (Magical Internet Money) anbietet, einen an den US-Dollar gebundenen Stablecoin.

Das 2018 gegründete Terra-Ökosystem, das aus dem nativen LUNA-Token sowie dem an den US-Dollar gebundenen UST-Stablecoin besteht, ist damit auch implizit von dem Wonderland-Skandal betroffen. Investoren hinterlegen UST bei Abracadabra, um sich dafür die MIM-Währung zu leihen. Die fahrlässige Haltung von Daniele Sestagalli führte bei Anlegern zu Vertrauensverlusten, die damit auch dem LUNA-Token Kursverluste von 20% in den letzten zwei Wochen bescherten. Nichtsdestotrotz ist Terra (LUNA) gemessen an der Marktkapitalisierung von 23 Mrd. $ weiterhin die grösste Währung innerhalb des Universums dezentralisierter Finanzen (DeFi).

Big Tech im Metaverse-Fieber

Die weltweit grössten Technologieunternehmen wetteifern um die Vormachtstellung im Metaverse. Microsoft (MSFT 282.91 -0.26%) hat jüngst die Übernahme des Computerspieleherstellers Activison Blizzard für 69 Mrd. $ verkündet. Durch den Zukauf steigt Microsoft zum drittgrössten Computerspielekonzern auf und setzt damit einen historisch hohen Betrag auf die Zukunft von Blockchain-basierten Spielen.

Tim Cook, der CEO von Apple (AAPL 165.35 -0.28%), sieht ebenfalls grosses Potenzial im Metaverse und bietet bereits heute über 14’000 AR-Kit-Apps (Augmented Reality) im Apple Store an. Zukünftig wird das Unternehmen laut Cook vor allem im Hardwarebereich beträchtliche Summen investieren, um die Anwendungsmöglichkeiten im Metaverse für Nutzer zu verbessern.

Meta-Plattformen haben bereits im vergangenen Jahr 10 Mrd. $ für die Entwicklung von Virtual-Reality-Brillen und -Handschuhen investiert. Analysten erwarten, dass Meta bis zu 50 Mrd. $ investieren wird, um das Versprechen einer Zukunft der virtuellen Realität zu erfüllen.

Der Hype um das Metaverse spiegelt sich auch in der Entwicklung der Preise der beiden grössten Metaverse-Plattformen, Decentraland und The Sandbox. Die dazugehörigen Token MANA und SAND haben in den vergangenen zwei Wochen jeweils um 50% zugelegt.