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Raub von Kryptowährungen ist ein Massenphänomen

Der Diebstahl von Kryptowährungen aus einer koreanischen Börse bringt den Bitcoinkurs unter Druck. Doch es ist kein Einzelfall.

Alexander Trentin

Der Bitcoinkurs notiert momentan knapp unter 6900 $ – noch Anfang Juni lag der Kurs bei fast 10’000 $. Allein seit vergangener Woche ist der Preis über 10% abgestürzt. Zeitweise notierte die digitale Währung auf einem Zweimonatstief.

Dafür wird ein Diebstahl an der südkoreanischen Bitcoinbörse Coinrail verantwortlich gemacht. Gemäss der Nachrichtenagentur Yonhap wurden anscheinend Kryptowährungen – wohl nicht nur in Bitcoin – im Umfang von 40 Mrd. Won (36 Mio. Fr.) gestohlen. Südkorea ist einer der wichtigsten Länder für den Bitcoinhandel. Viele Koreaner hatten einmal in die Kryptowährung investiert – während des Bitcoinbooms im Dezember 2017 soll gar jeder dritte Angestellte sich in der Kryptowährung versucht haben.

Auch die zweitgrösste Kryptowährung, Ethereum, musste nach dem Hack deutlich Federn lassen.

Bitcoinanleger nutzen Börsen wie Coinrail, nicht nur zum Handeln, sondern auch um die Kryptowährung sicher und bequem zu verwahren. Coinrail erklärte, dass 70% der Währungen in einer Cold Storage gesichert seien. Diese Kryptovermögen sind nicht betroffen, da sie auf Computern gespeichert sind, die nicht mit dem Internet verbunden sind. Zwei Drittel der gestohlenen Kryptowährungen seien in Börsen und anderen Unternehmen «eingefroren» worden. Es gibt also Hoffnung, dass sie noch zu retten sind.

Doch der Diebstahl in Südkorea ist kein Einzelfall. Gemäss der Computersicherheitsfirma Carbon Black wurden allein seit Anfang Jahr 1,1 Mrd. $ an Kryptowährungen gestohlen. Dabei seien Börsen das populärste Angriffsziel: 27% aller Diebstähle würden auf sie fallen. 21% würden von Unternehmen gestohlen. Und 14% kämen von Attacken auf Einzelnutzer.

Dabei war Bitcoin nicht das populärste Ziel des elektronischen Diebstahls. In 44% der Fälle sei die Digitalwährung Monero involviert. Auf den zweiten Platz kommt Ethereum (11%) und erst danach Bitcoin (10%).

Hier einige Angriffe auf Kryptowährungen dieses und letztes Jahr, die von Carbon Black zusammengestellt wurden:

Im Dark Web – den Marktplätzen für illegale Angebote im Internet – haben die Sicherheitsexperten über 34’000 Angebote an Schadsoftware (Malware) für Kryptowährungsdiebstahl gefunden. Die meisten sind Stealer Malware: Software, um das Passwort für Kryptowährungwallets zu stehlen. Perfide sind Mining Bots: Software, die sich auf dem Computer oder Mobiltelefon installiert, um die Rechenkapazität zum Schürfen von Kryptowährungen zu verwenden. Der Nutzer merkt dabei oft nur, dass sein Gerät langsamer geworden ist.

Um sich vor Kryptoraub zu schützen, hat Carbon Black allgemeine Verhaltensregeln aufgestellt:

  • Sicherheitssoftware auf dem PC installieren, um sich gegen Malware zu schützen,
  • keine nicht verifizierten Programme installieren und keinen unbekannten Links im Web folgen,
  • sich gut über die Kryptobörse informieren, bevor man dorthin Geld überweist,
  • für verschiedene Webseiten nicht die gleichen Passwörter verwenden,
  • die Kryptowährung nicht in einer Wallet abspeichern, die mit dem Internet verbunden ist,
  • nicht Kryptowährungsdienste über ein öffentliches WLAN-Netzwerk aufrufen.

Aber einen vollständigen Schutz gibt es kaum. Wer Kryptobörsen und Online-Wallets verwendet, der muss damit rechnen, Opfer von Hackerattacken zu werden.

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