Meinungen

Raus aus den Negativzinsen

Die Schweizerische Nationalbank sollte die Zinsen erhöhen, um rechtzeitig auf das veränderte Inflationsumfeld zu reagieren. Aber die EZB ist im Weg.

«In der Zinspolitik steht die Nationalbank vor einem heiklen Koordinationsproblem.»

Es ist höchste Zeit für die Schweizerische Nationalbank, die Minuszinspolitik zu beenden. Die Rahmenbedingungen haben sich gewandelt. Es besteht keine Deflationsgefahr mehr. Selbst wenn die Energiepreise ausgeklammert werden, beträgt die Kerninflation inzwischen 1,7%. Der SNB-Leitzins von –0,75% steht da verloren in der Landschaft und sendet die falschen Signale.

Erst im September?

Vermutlich ist selbst die SNB-Spitze dieser Meinung. Aber sie steht vor einem heiklen Koordinationsproblem. Die Eurowährungshüter in Frankfurt werden an ihrer Sitzung diese Woche kaum eine Zinserhöhung beschliessen. Sie haben mehrfach betont, dass sie zunächst den Kauf neuer Anleihen diesen Monat beenden und dann im Juli die Leitzinsen anheben. Das SNB-Direktorium tritt eine Woche nach der EZB-Junisitzung zusammen und danach erst wieder Mitte September.

Hält die SNB (SNBN 6'000.00 -1.32%) also an ihrer Routine fest und folgt der EZB, dann wird sich die Zinswende in der Schweiz noch drei Monate hinziehen. Das wäre nicht zu rechtfertigen.

Um das zu verhindern, sollte sie eine ausserordentliche Sitzung einschieben, an der sie kurz nach der EZB ebenfalls den Leitzins erhöht.

Was für den Juni spricht

Oder besser noch, sie besinnt sich auf ihre geldpolitische Autonomie und beschliesst den Zinsschritt bereits an der anberaumten Sitzung Mitte Juni. Auf diese Weise verliert sie keine wertvolle Zeit in der Inflationsbekämpfung. Sie könnte mit kleinen Schritten vorwärtsgehen, ohne Gefahr zu laufen, später allfällige Lücken mit grossen Zinssprüngen aufholen zu müssen.

Das bekäme auch dem Franken besser. Er notiert stabil und dürfte sich in einem Umfeld, in dem die Zinsen in Europa und Übersee kräftig zulegen, sowieso eher ab- als aufwerten.