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Unternehmen / Schweiz

Razzia bei UBS in Frankreich

Das Verfahren wegen illegaler Kundenwerbung und Beihilfe zum Steuerbetrug ist auf einem neuen Höhepunkt angelangt. Auch die Filiale in Paris wurde durchsucht.

Statt wie erhofft zu versanden, ziehen sich die Untersuchungen gegen UBS (UBSG 17.27 1.65%) Frankreich in die Länge. Diese Woche bekam die Pariser Niederlassung einen ganztägigen Besuch von zehn Zollfahndern und einem Untersuchungsrichter.

«Wir nehmen die Angelegenheit sehr ernst», beteuert UBS-Sprecher Yves Kaufmann gegenüber der FuW. Seit rund einem halben Jahr ermitteln die französischen Behörden. Die Bank wurde bereits im Juli von französischen Fahndern gefilzt. Damals waren UBS-Filialen in Lyon, Bordeaux und Strassburg betroffen. Nun kam die Hauptstadt an die Reihe. Von den fünf UBS-Standorten in Frankreich blieb bisher einzig Nantes verschont. UBS wird verdächtigt, in Frankreich um Kunden geworben zu haben, indem ihnen angeboten wurde, Steuergelder vor dem französischen Fiskus zu verstecken.

 Zeitlupe

«Die Durchsuchung der Büros in Paris ist Teil der Untersuchung, die im April durch die französischen Behörden angekündigt wurde. UBS (France) S.A. wird mit den französischen Behörden vollumfänglich kooperieren», heisst es von der Grossbank.

Man kann sich fragen, was die zehn Fahnder in Paris noch zu finden erwarteten. Das Zeitlupentempo, mit dem die Untersuchung läuft, ist jedenfalls merkwürdig. Der gesunde Menschenverstand würde es nahelegen, dass die Behörden bei den Hausdurchsuchungen in einer konzertierten Aktion vorgehen. Das langwierige Verfahren lässt den Verdacht aufkommen, dass es sich hierbei auch um eine Einschüchterungskampagne gegenüber UBS und gegenüber den französischen Steuerzahlern handelt.

Milchbüchlein-Tarnung

Dennoch ist die Sache nicht zu unterschätzen. Die Untersuchung betrifft bandenmässiges, unrechtmässiges Anwerben von Kunden sowie Geldwäscherei im Zusammenhang mit Steuerbetrug. Konkret sollen Mitarbeiter von UBS Frankreich reiche Kunden dazu angestiftet haben, Vermögen aus Frankreich in die Schweiz zu schaffen und so Steuern zu hinterziehen. Dabei sollen abenteuerliche Konstruktionen benutzt worden sein. Unter dem Namen «Carnet de lait» (Milchbüchlein) soll eine fingierte Buchhaltung die geheimen Geldströme getarnt haben.

Gegen eine Person, einen ehemaligen Mitarbeiter in Lille, wurde im Sommer Strafanzeige wegen Geldwäscherei im Zusammenhang mit Steuerdelikten erhoben.

Interne Untersuchung

Die UBS hat wiederholt beteuert, dass sie keine Hand biete zur Steuerhinterziehung. Sollten Mitarbeiter in Frankreich in systematischer Weise Mittäterschaft bei oder Anstiftung zu Steuerdelikten geleistet haben, bekommt UBS ein gröberes Problem. Dies gälte insbesondere dann, wenn auch Mitarbeiter, die von der Schweiz aus in der grenzüberschreitenden Kundenbetreuung tätig waren, involviert waren.

Die UBS ist, wie aus gut unterrichteten Stellen zu erfahren ist, seit dem Frühjahr daran, das französische Cross-Border-Geschäft zu durchleuchten. Im Fokus stehen dabei die Aktivitäten, die aus den Filialen rund um den Genfersee heraus entwickelt wurden.

Von Mitarbeitern angeschwärzt

Das französische Verfahren ins Rollen gebracht haben Anschuldigungen von ehemaligen Mitarbeitern der UBS (France), die nach ihrer Entlassung vor Gericht Geldforderungen gegenüber der Bank geltend machten. In der Folge haben die Ex-Mitarbeiter umfangreiche Bankunterlagen für ein Buch des Journalisten Antoine Peillon geliefert. Peillon sieht darin Beweise für ein systematisches und organisiertes Vorgehen der UBS. In «Ces 600 Milliards qui manquent à la France» beschreibt er, wie Mitarbeiter von französischen UBS-Niederlassungen gemeinsam mit Kundenberatern aus der Schweiz vorgingen, um vermögende Franzosen in die Schweiz zu locken.