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Unternehmen / Ausland

Realitätstest für US-Steuerpaket

In dieser Berichtssaison geht es um mehr als sonst. Erstmals zeigt sich, wer am meisten von den Steuersenkungen profitiert.

Mehr als ein Jahr haben die Weltleitbörsen in Amerika der Steuerreform von Präsident Trump freudig entgegengefiebert. Seit den US-Wahlen ist der Dow Jones fast 40% vorgeprescht und legt derzeit den besten Jahresstart seit 1999 hin. Wie sich die grösste Steuerkürzung seit der Amtszeit Ronald Reagans aber genau auf die Unternehmenswelt auswirkt, ist offen. Was Corporate America in der bevorstehenden Abschlusssaison zum neuen Steuergesetz sagt, wird deshalb zu einem Schlüsselfaktor für die weitere Kursentwicklung.

«Die Erwartungen an die Unternehmenszahlen schiessen hoch über den üblichen Rahmen hinaus», meint Jim Bianco vom Anlageberater Bianco Research. Gemäss dem Datendienst FactSet rechnet Wallstreet damit, dass die Gewinne von US-Konzernen im vierten Quartal durchschnittlich 10% gegenüber der Vorjahresperiode gestiegen sind. Das ist eine klare Steigerung verglichen mit dem dritten Quartal, als sich die Resultate gut 6% verbesserten. Mit der Steuerreform hat das allerdings wenig zu tun. Hauptgrund dafür ist ein Gewinnsprung im Energiesektor, der vom festeren Ölpreis profitiert.

Was Investoren wirklich interessiert, ist, wie die Konzerne die Aussichten für 2018 beurteilen. Kern des Steuerpakets ist die Reduktion der Unternehmenssätze von 35 auf 21%, was sich entsprechend vorteilhaft auf die Gewinne durchschlagen sollte. Seit der Tax Cuts and Jobs Act am 22. Dezember in Kraft getreten ist, haben Analysten die Prognosen für die nächsten zwölf Monate denn auch im schnellsten Tempo seit über zehn Jahren nach oben revidiert, hält das Researchhaus Bespoke Investment fest.

Sondereffekt belastet Banken

Ob diese enorme Zuversicht gerechtfertigt ist, wird sich bald zeigen. Den Startschuss zur Berichtssaison haben am Freitag die Grossbanken JP Morgan und Wells Fargo gegeben. «Die Umsetzung der Steuerreform im vierten Quartal ist ein bedeutendes positives Ergebnis für die USA», hielt JP-Morgan-Chef Jamie Dimon fest. «US-Unternehmen werden global wettbewerbsfähiger sein.» Die Bank erwartet, dass ihre effektive Steuerquote dieses Jahr von 32 auf 19% sinkt. Bleibt das operative Ergebnis gleich wie 2017, würde das gemäss dem Datendienst Bloomberg einen Gewinnschub von 3,5 Mrd. $ bedeuten. Allerdings bringt das Gesetz für viele Konzerne im vierten Quartal Sondereffekte mit sich. Im Fall von JP Morgan sind das zusätzliche Kosten von 2,4 Mrd. $.

Vor Einmaleffekten warnen auch Grossbanken wie Goldman Sachs, Citigroup, Société Générale, UBS, Credit Suisse und Deutsche Bank. Obschon seit der Finanzkrise bald zehn Jahre vergangen sind, führen viele Institute noch immer latente Steueransprüche aus dieser Zeit auf der Bilanz. Da sie künftig weniger Abgaben an den Staat leisten müssten, sind diese Ansprüche nun weniger Wert. Weil das Gesetz letztes Jahr in Kraft getreten ist, bedeutet das bereits in der Erfolgsrechnung für 2017 Abschreiber in Milliardenhöhe.

Für die Börse sind das aber nur Nebengeräusche. «Wir erwarten, dass Investoren diesen Sondereffekten wenig Gewicht zumessen und den Fokus stattdessen auf den Ausblick für 2018 richten werden», denkt Jason Goldberg, Analyst in Diensten Barclays. Entscheidend sei dabei nicht nur, was die Konzerne zu ihrer neuen Steuerquote sagen. «Ebenso wichtig wird sein, wie viel dann effektiv unter dem Strich als Gewinn bleibt», ergänzt Goldberg. «Der Nettoeffekt sollte positiv sein. Zur Diskussion steht aber das Ausmass.»

Eine Kernfrage ist zudem, was die Unternehmen mit den zusätzlichen Gewinnen betreffend Investitionen, Übernahmen und Löhnen machen. Grosskonzerne wie AT&T, Wal-Mart Stores, American Airlines und Boeing haben in den letzten Wochen angekündigt, ihren Mitarbeitenden wegen des Steuergesetzes per Ende 2017 einen Bonus zu zahlen. Unklar ist aber, ob das nur einmalige Aktionen sind, um sich Goodwill in Washington zu verschaffen, oder ob die Löhne in den USA dauerhaft steigen werden.

Was können Investoren also konkret erwarten? Analysten von Bank of America schätzen, dass sich der Gewinn der grössten US-Konzerne durch das Gesetz 2018 um rund 10% verbessern wird. Je nach Branche ist der Effekt jedoch anders. In Sektoren wie Einzelhandel, Telecom, Transport und Werkstoffe war die effektive Steuerquote bislang recht hoch. Ihnen dürfte die Senkung demnach überdurchschnittlich helfen. Andere Branchen wie Immobilien oder Versorger werden dagegen einen geringeren Effekt spüren.

Geldschätze in Übersee

Hinzu kommen die Auswirkungen auf die Ausschüttungspolitik. US-Unternehmen mussten bisher auf Gewinne im Ausland keine Steuern zahlen, solang sie diese dort beliessen. Damit ist nun Schluss: Für Barmittel in Übersee fällt eine Rate von 15,5% an, für illiquide Anlagen sind es 8%. Das wird die Ergebnisse zunächst einmalig belasten, dürfte viele Gesellschaften aber motivieren, diese Gelder zu repatriieren und einen Teil über Dividenden und Aktienrückkäufe auszuschütten.

Das gilt vor allem für Konzerne aus den Branchen IT und Gesundheit, die am meisten Mittel im Ausland halten. Gemäss Berechnungen von Bank of America macht der Cashbestand im Ausland in diesen beiden Sektoren annähernd 20% der Marktkapitalisierung aus.

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