Zum Thema: Südkorea schwächelt bei den Reformen

Regierung stützt Aktienkurse

Seit April hat der südkoreanische Leitindex fast 9% nachgegeben. Die Regierung, gefordert von diversen Probleme, versucht dem Kurszerfall an der Börse Seoul entgegenzuwirken.

Die globale Verunsicherung der Anleger hat in den vergangenen Monaten an der Börse Seoul erhebliche Bremsspuren hinterlassen. Der Leitindex Kospi (Kospi 2'996.27 -1.21%) hat seit seinem Dreijahreshoch vom April fast 9% nachgegeben. Umso gespannter schauen die Analysten dieser Tage auf die Konjunkturdaten der wichtigsten Handelspartner Südkoreas. Die Einfuhren Chinas, des grössten Exportmarktes des Landes, lagen im August gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres rund 14% tiefer, und in den USA zeichnet sich eine geldpolitische Wende ab. Beides dürfte der Börse Seoul in der zweiten Jahreshälfte kaum positive Impulse geben.

Angesichts der strukturellen Probleme des Binnenmarktes dürften weitere wachstumsstützende Massnahmen der Regierung nur eine begrenzte Wirkung haben. Die Notenbank wird sich zurückhalten, denn sie misst der Reduzierung der hohen Verschuldung der Privathaushalte eine grosse Bedeutung zu. Ausländische Anleger wurden in den vergangenen Wochen von der Kontroverse über den von der Gründerfamilie angetriebenen Umbau der Samsung-Gruppe irritiert. Forderungen des amerikanischen Hedge Fund Elliott nach einer besseren Einbeziehung der Mitaktionäre wurden meist nicht mit rationalen Argumenten zurückgewiesen, sondern mit dem Aufputschen hässlicher chauvinistischer Gefühle übergangen.

Ein Argument für ein Engagement in Südkorea sind die Milliardenreserven der Unternehmen. Die Regierung will, dass diese brachliegenden Gelder vermehrt in neue Investitionen oder höhere Löhne fliessen.  Das soll durch eine Reform der Unternehmenssteuer erreicht werden. Doch der Realwirtschaft kommt das vorerst nicht zugute. Kotierte Unternehmen haben auf die Ankündigung erst einmal mit dem Rückkauf eigener Aktien reagiert und damit dem Kurszerfall an der Börse Seoul Einhalt geboten.

Anleger sollten die Spannungen an der innerkoreanischen Grenze nicht ausser Acht lassen. Ende August lieferten sich Nord- und Südkorea bewaffnete Scharmützel. Der Kospi sank am folgenden Tag über 2%. Nun hat sich die Lage beruhigt. Es ist äusserst unwahrscheinlich, dass solche Auseinandersetzungen zu einem Krieg eskalieren werden. Für Anleger ist es aber eine Quelle von Unsicherheit und sorgt immer wieder für Kursschwankungen.