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Nach den Wahlen steigen die Börse Mumbai und die Rupie

Bei den Parlamentswahlen in Indien erringt die von der oppositionellen Bharatiya-Janata-Partei (BJP) angeführte Parteienkoalition die absolute Mehrheit der Sitze.

Das Resultat der indischen Wahlen wurde von der Börse Mumbai seit Wochen vorweggenommen, die Aktienkurse sind seit Anfang Jahr beinahe 20% auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Am Freitag ist der Sensex-Index zeitweise über 6% avanciert, während die Landeswährung Rupie ein Zehnmonatshoch erklommen hat. Die BJP des als wirtschaftsfreundlich geltenden Oppositionsführers Narendra Modi führt in beinahe zwei Dritteln der Wahlbezirke, aus denen vorläufige Resultate vorliegen. Damit könnte sie ihren grössten Wahlsieg in drei Jahrzehnten erringen. Die Nationale Kongresspartei, die Asiens drittgrösste Volkwirtschaft seit 2004 regiert hat, dürfte dagegen das schlechteste Resultat seit  der Unabhängigkeit Indiens vor beinahe sieben Jahrzehnten erleiden.

Erfolgsmodell wird kaum übertragen

Die von Premierminister Manmohan Singh angeführte Koalitionsregierung war vor allem in der Schlussphase gelähmt, infolge einer Reihe von Skandalen. Wichtige Reformen konnten nicht umgesetzt werden, was ein wachsendes Haushaltsdefizit und eine Inflationsrate von zeitweise über 10% nach sich zog. Das Wirtschaftswachstum brach seit 2011 um rund die Hälfte auf etwas über 4% im Jahr 2013 ein. Die nationalreligiöse BJP stellte im Wahlkampf hingegen die blühende Wirtschaft im Teilstaat Gujarat in den Vordergrund, der seit 2002 von Modi regiert  wird.

Die neue Regierung wird allerdings Mühe bekunden, das Erfolgsmodell auf ganz Indien zu übertragen. Das nicht nur, weil Modi vor allem wegen seiner strammen nationalreligiösen Ausrichtung ein sehr umstrittener Politiker ist. Die 28 Teilstaaten, die mehrheitlich weiterhin von einer ganzen Reihe von Rivalen der BJP regiert werden, verfügen über eine grosse Autonomie.

Zahlungsbilanzdefizit bleibt Problem

Dazu kämpft Indien mit einem hartnäckigen Zahlungsbilanzdefizit, das Land geriet Mitte 2013 an den Rand einer Finanzkrise. Die Lage konnte unter anderem durch eine Erhöhung der Zinsen und die Einschränkung von Goldimporten entschärft werden. Doch sollte in den kommenden Monaten – wie zeitweise bereits im Vorjahr – infolge des gelpolitischen Kurswechsels in den USA erneut in grösserem Ausmass Kapital aus den Schwellenländern abfliessen, so könnte das Zahlungsbilanzproblem erneut an Schärfe gewinnen.

Grosses Wachstumspotenzial

Mittel- und langfristig hat Indien aber ein erhebliches Wachstumspotenzial. Gemäss den Projektionen des amerikanischen Finanzhauses Morgan Stanley (MS 76.11 -0.83%) wird sich das Bruttoinlandprodukt dank einer jährlichen Expansionsrate von 6,75% bis 2024 auf über 5 Bio. $ verdreifachen.

Die Dynamik könnte von drei strukturellen Faktoren angetrieben werden: Indien bringt mit seiner jungen und zudem dank den neuen Medien zunehmend gut ausgebildeten Bevölkerung sehr günstige demografische Verhältnisse mit sich. Rückenwind dürfte das Wachstum zweitens auch von der schrittweisen Erholung der Weltwirtschaft erhalten. Das Land könnte von diesem Faktor dank seiner global wettbewerbsfähigen Software-, Pharma- und Automobilindustrie mehr noch als die benachbarten Schwellenländer profieren. Als wichtigste Wachstumsstütze dürften sich drittens vor allem die von der neuen Regierung eingeleiteten strukturellen Reformen erweisen.

Leser-Kommentare

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Walter Imthurn 16.05.2014 - 13:51
An Praktikus, Ich hatte bei der CS die neuen SFS Aktien gezeichnet. Auf meine Zeichnung von 1000 Aktien wurden mir 90 Aktien zum Emissionspreis von Fr.64 zugeteilt. Was mich aber überrascht hat dass ich noch 1.05% Courtage bezahlen musst habe ich doch geglaubt dass die Konsortialbanken von der Gesellschaft für ihre Bemühungen entschädigt wurden aber anscheinend haben die Banken und… Weiterlesen »