Meinungen

Peking verunsichert auch weiterhin

Es ist nicht absehbar, wie lange die regulatorische Unsicherheit in der Volksrepublik noch anhält. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Alexander Trentin.

«Peking legt nicht viel Wert auf Verlässlichkeit.»

Es ist kein Zufall, dass es den Anschein hat, China erlasse täglich neue regulatorische Massnahmen: Peking intensiviert die Kontrolle über die heimischen Unternehmen – und nimmt dabei erschreckend wenig Rücksicht. Besonders im Technologiesektor wird kaum ein Stein auf dem anderen gelassen. Selbst eine beliebte Holdingstruktur, die vielen chinesischen Unternehmen erst ermöglicht hat, im Ausland Aktien zu platzieren, steht nun zur Disposition.

Noch ist nicht abzusehen, wo das Ganze enden wird. Man sollte daher den Investmentmanagern und den Experten wenig vertrauen, die nach der Verkündung einer Massnahme immer bereits das Licht am Ende des Tunnels sehen. So erklären sie, klarere Regeln seien dank mehr Planungssicherheit zum Nutzen von Wirtschaft und Anlegern. Den Regierungsslogan des «gemeinsamen Wohlstands» sehen sie als Garanten, dass dank höherem Konsum das Wachstum nachhaltig gesichert ist.

Die abrupten und unerwarteten Interventionen sprechen nicht dafür, dass Peking derzeit viel Wert auf Verlässlichkeit legt. Mit der Schockmethode zeigt man selbst den mächtigsten Tech-Unternehmen, wo der Hammer hängt. Gleichzeitig kann die Regierung signalisieren, sich unerschrocken für die Belange der einfachen Bevölkerung einzusetzen.

Damit bleibt die regulatorische Unsicherheit für chinesische Aktien in nächster Zeit sehr gross. Wer diese Unsicherheit aber aushalten kann, der muss sein Exposure zu den Titeln – je nach Risikoneigung – nicht ganz abbauen, denn auch im neuen Regulierungsumfeld gibt es in China viele hoch innovative Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten.

Leser-Kommentare

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Christoph Saetteli 31.08.2021 - 17:58

Als staatskapitalistische Supermacht mit der kommunistischen Partei als staatstragende Kraft ist klar wer Recht hat, ein regulatorisches Umfeld wie wir es kennen wurde den Absolutheitsanspruch gefährden.