Archiv

Reinshagen

Mag man von ihrem Charme noch so gefangen sein, für Maria Reinshagen verspürt man doch zugleich den spontanen Respekt, der einen davor warnt, ihr unbedacht zu widersprechen, um nicht ihren Groll auf sich zu ziehen. Tatsächlich kommt dieser Respekt nicht ganz von ungefähr, arbeitete Maria Reinshagen doch ursprünglich mehrere Jahre als ausgebildete Primarlehrerin in Zürich sowie an der International School der Vereinten Nationen in New York. Im Laufe dieser Lehrtätigkeit erwarb die junge, abenteuerlustige Zürcherin das pädagogische Feingefühl, das ihr später helfen sollte, mit kindlich-leidenschaftlichen Kunstsammlern richtig umzugehen.
Doch schon zwischen ihrer Lehrtätigkeit in Zürich und New York näherte sich Maria Reinshagen dem Kunstmarkt, und zwar in Form einer Mitarbeit in der Zürcher Galerie Renée Ziegler. Nach New York und einem Stipendium der Ford Foundation ging sie als Assistentin an das Pasadena Art Museum, um sich allerdings bald wieder dem umtriebigeren Kunsthandel zu widmen. Die weiteren Stationen ihrer Galeriekarriere umfassen so prominente Adressen wie die Felix Landau Gallery in Los Angeles, die Galerien Emmerich in Zürich und Kornfeld in Bern. Nach diesen prall gefüllten Lehr- und Wanderjahren, in denen sie ihr so viel bewundertes Netz aus Freundschaften und Beziehungen quer durch die weltweite Sammler-, Museums- und Galerienszene knüpfte, war sie reif für ihre berufliche Lebensaufgabe: 1978 wurde sie vom Londoner Auktionshaus Christie’s zur Gründungsdirektorin der Zürcher Niederlassung berufen. Ihre Erfolge als hartnäckige, aber bezeichnenderweise von ihren Kunden und Sammlern hoch geschätzte Business-Getterin sind legendär. Mit ihren weit reichenden Beziehungen, ihrem Verhandlungsgeschick und wohl auch mit ihrem Charme brachte sie einige der bedeutendsten Gemälde der jüngeren Kunstmarktgeschichte in die Auktionssäle von Christie’s. Ihr kompromissloser Einsatz für das Auktionshaus spiegelt sich in einer steilen Karriere, die sie 1996 zur Vizepräsidentin von Christie’s Europa aufsteigen liess. Dass sie nebenher in Zürich auch noch eigene Spezialversteigerungen für Schweizer Kunst aufbaute und von 1994 bis 1998 als erste Frau im Verwaltungsrat der damaligen SBG einsass, mag allenfalls Aussenstehende erstaunen. Wer Maria Reinshagen kennt, findet solche Unermüdlichkeit dagegen ganz normal.
So mochte denn auch niemand glauben, dass sich diese wache, tüchtige und vitale Frau nach ihrer Pensionierung von Christie’s wirklich aus dem Kunstmarkt zurückziehen würde. Dass sie nun von Grandseigneur William R.Acquavella und seiner Acquavella Contemporary Art Gallery in New York als Direktorin und strategischer Brückenkopf in Zürich engagiert wurde, ist nicht nur ein grosser Gewinn für diese altehrwürdige amerikanische Kunstmarktinstitution, sondern für die ganze Kunstwelt. Man wird von Maria Reinshagen jedenfalls noch manchen Coup erwarten dürfen.CFC

Bitte loggen Sie sich ein, um diesen Artikel vollständig zu lesen.

Leser-Kommentare