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Reka zieht eine Banklizenz in Betracht

Der Reka-Chef Roger Seifritz will das Zahlungssystem weiter entwickeln, etwa mit der Erweiterung des heutigen Debitystems um eine Kreditfunktion.

Die Schweizer Reisekasse (Reka) Genossenschaft gehört hierzulande zu den bekanntesten Institutionen. Mehr als vier von fünf Schweizern kennen die Marke, jede siebte Familie hat schon Ferien bei Reka gebucht. Die beliebten RekaChecks – genau genommen sind es keine Checks, sondern «Banknotensurrogate» – werden von 30% der grösseren Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden als Lohnnebenleistung verbilligt oder als Prämie kostenlos an die Belegschaft abgegeben. 9100 schwergewichtig im Verkehr und Tourismus tätige Annahmestellen akzeptieren sie als Zahlungsmittel.

Direktor der Reka ist der 52-jährige Roger Seifritz. Seine Laufbahn hat schon einige Wendungen genommen: Nach einem Betriebswirtschaftsstudium an der HSG in St. Gallen startete er seine Karriere beim  Industrieversicherer Gerling, worauf er für den Zementkonzern Holcim im Marketing und später im Personalwesen tätig war. Der Wunsch nach einem sesshafteren Leben mit seiner Familie – er ist Vater von drei heute 16 bis 20-jährigen Kindern – führte ihn 1998 nach Gstaad, wo er zwölf Jahre lang als Tourismusdirektor agierte. Seit drei Jahren ist Seifritz nun bei Reka, die dieses Jahr ihr 75-jähriges Jubiläum feiert.

Finma überwacht Reka schon heute

Seifritz sieht seine Hauptaufgabe – neben der Leitung der Reka mit ihren rund 600 Mitarbeitenden – in der Entwicklung der Organisation. Ideen hat er viele. Im Bereich Reka-Geld will er «das Thema Bargeldlos stark vorantreiben». Schon heute gibt es die Reka-Card. In den nächsten drei, vier Jahren sollen neue Anwendungen entwickelt und auf den Markt gebracht werden, zum Beispiel im Bereich Mobile Payment und App-Lösungen. Vorstellen kann er sich auch, die reine Debitfunktion des Systems um eine Kreditkomponente zu erweitern, etwa mit der Herausgabe einer Reka-Kreditkarte. Gemäss Seifritz ist es in diesem Zusammenhang «eine Möglichkeit, eine Banklizenz zu beantragen». Eine andere Variante wäre eine Kooperation mit einer Bank.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) überwacht die Reka als «Herausgeber eines Zahlungssystems» schon heute. Drei Bedingungen muss ein solcher erfüllen: Das Zahlungsmittel darf nur dem Bezug von Waren und Dienstleistungen dienen, es darf nicht verzinst werden und die Bezüger dürfen keinen höheren Gegenwert als 3000 Fr. halten. Vor allem die letzte Bedingung ist im Checkgeschäft schwer zu kontrollieren.

Eine halbe Milliarde Anlagevolumen

Neben den Kommissionseinnahmen von netto 1,5% auf das umgesetzte Reka-Geld ist der Anlageertrag eine wichtige Ertragsquelle. Reka verfügt über ein Anlagevolumen von 400 bis 500 Mio. Fr., weil zwischen der Ausgabe und der Einlösung der Checks im Mittel gut 200 Tage verstreichen. Die Anlagestrategie ist laut Seifritz «sehr, sehr konservativ». 74% werden in Nominalwerte (8% Liquidität, 51% Frankenobligationen, 15% Fremdwährungsobligationen) und 26% in Sachwerte (7% Aktien Schweiz, 14% Aktien weltweit, 5% Immobilien Schweiz) investiert.

Reka erzielte so 2013 eine Rendite von 2,65%. Weniger bankähnlich ist die Verwendung für Rekas traditionell sozialtouristisches Engagement: die Verbilligung von Reka-Geld, von Reka-Ferien und die soziale Ferienhilfe für Familien mit knappen Mitteln.