Meinungen

Renditejagd

Aktien statt Bonds: Das ist im gegenwärtigen Marktumfeld meine kleine Bauernregel. Ein Kommentar von FuW-Chefredaktor Jan Schwalbe.

«Novartis, Nestlé oder Swiss Life zahlen eine solide Dividende und bergen langfristig sicher weniger Risiko als eine Staatsanleihe Griechenlands.»

Ich kaufe im Moment keine Obligationen. Ja, viele Anleger haben dank Kursgewinnen auf festverzinslichen Papieren in den vergangenen Jahren trotz Niedrigstzinsen gutes Geld verdient. Mit griechischen Staatsanleihen beispielsweise waren es allein 2019 satte 30%.

Doch ich kaufe Bonds nicht deshalb, weil ich auf Kursgewinne setze, sondern wegen der Sicherheit und des Coupons, und ich halte die Papiere in der Regel bis Verfall. Da lohnt es sich einfach nicht, für eine mickrige Rendite ein doch beträchtliches Risiko einzugehen.

Viele Anleger sehen das offenbar anders. Noch nie wurden so viele Obligationen mit einem Junk-Rating (schlechter als BBB–) emittiert und auch verkauft. Jeder Basispunkt an Rendite wird vom Markt aufgesogen. Das, obschon die OECD gerade vor Rückstufungen gewarnt hat.

«Lower for longer» ist der Konsens: niedrige Zinsen fast für die Ewigkeit sozusagen. Gekoppelt mit Optimismus rund um den Handelsstreit China/USA lässt das Anleger Schlange stehen, wenn Bonds angeboten werden. Zehnjährige griechische Staatspapiere werfen mit Rating BB– gerade mal 0,93% Rendite ab, und das gemäss Definition mit einem «substanziellen Kreditrisiko». Wer mehr Sicherheit will, kriegt für einen Eurobond von Siemens (SIE 96.00 -1.12%) (A+) eine Rendite von 0,12%.

Das ist mir einfach zu wenig. Ich setze lieber auf Aktien. Blue Chips wie Novartis (NOVN 80.33 -0.64%), Nestlé (NESN 112.76 +1.18%) oder Swiss Life (SLHN 463.90 -0.24%) zahlen eine solide Dividende und bergen langfristig sicher weniger Risiko als eine Staatsanleihe Griechenlands. Aktien statt Bonds – zumindest im gegenwärtigen Umfeld meine kleine Bauernregel.