Märkte / Anleihen

Renditeloses Risiko

Hohes Risiko fahren und Geld verlieren – nichts Aussergewöhnliches bei riskanten Anlagen wie Aktien kleiner Unternehmen. Aber bei «sicheren» Anleihen? Willkommen in der immer absurderen Welt der Frankenanleihen.

Die Negativrendite von 0,03% auf Frankenanleihen sticht ins Auge. Sie lenkt aber vom viel grösseren Risiko ab. Doch der Reihe nach.

0,03% verlieren Anleger mit Frankenanleihen pro Jahr. So niedrig ist die Rendite auf Verfall des Swiss Bond Index (SBI) Total AAA-BBB. Alle Anleihen mit einem Rating im Investment-Grade-Bereich – das heisst von AAA bis BBB – und einem Emissionsvolumen von mindestens 100 Mio. Fr. schaffen die Aufnahme in den Index. Also fast alle.

Zur Lancierung im Januar 2007 rentierte der Index 2,6%. Ein Jahr später erreichte die Rendite gar einen Höchstwert von 3,7%. Seither geht es nur noch bergab.

Für den Grossteil der Negativrendite sind staatliche Emissionen aus der Schweiz verantwortlich. Anleihen der Eidgenossenschaft, von Kantonen und Gemeinden verzeichnen im Mittel eine jährliche Rendite von –0,14%.

Frankenanleihen von Schweizer Unternehmen ergeben immerhin noch eine Rendite von 0,07%. Sie machen rund die Hälfte der Frankenanleihen mit einem Gesamtvolumen von 422 Mio. Fr. aus.

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Das grössere Problem ist erst auf den zweiten Blick ersichtlich: die gestiegene Duration. Die Duration ist eine Risikokennzahl. Sie misst, wie stark der Preis einer Anleihe auf eine Zinsänderung reagiert. Steigen die Zinsen 1%, verliert eine Anleihe mit einer Duration von 5 entsprechend 5% an Wert.

Anleihen mit einer längeren Laufzeit haben eine höhere Duration und ein grösseres Zinsänderungsrisiko. Wegen des Niedrigzinsumfelds haben Emittenten vermehrt Schulden mit längerer Laufzeit und dementsprechend höherer Duration ausgegeben.

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Für den Gesamtmarkt beträgt die Duration momentan 7,5. Eine Zinserhöhung von 1% würde zu einem Wertverlust von 7,5% führen. Seit 2009 ist das Risiko 50% gestiegen.

Noch deutlicher ist der Anstieg der Duration bei Anleihen von Unternehmen. Auch hier steht die Risikokennzahl auf einem Höchstwert.

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Zwei Schlussfolgerungen lassen sich ziehen. Erstens ist das Risiko für Anleger gestiegen. Der durchschnittliche Privatinvestor, aber auch Pensionskassen haben ein deutlich höheres Risiko als noch vor wenigen Jahren. Dementsprechend verheerend wäre ein Zinsanstieg für den Wert der Investitionen.

Zweitens müssen die Anleihen irgendwann zurückgezahlt werden. Je länger die Laufzeit, desto grösser ist das Risiko eines Ausfalls. Niemand weiss, in welcher Verfassung die Weltwirtschaft in Zukunft sein wird und zu welchen Konditionen frisches Geld aufgenommen werden kann.

Zum Glück müssen sich Unternehmen und Anleger vorerst noch keine Sorgen machen, wie sie refinanzieren bzw. reinvestieren sollen  – dank der gestiegenen Duration.

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