Der Schweiz blühen hitzige Diskussionen über eine Reform der Altersvorsorge. Einnahmen und Ausgaben driften zunehmend auseinander. Ein zentraler Einflussfaktor sind die Lebenserwartung und das gesetzliche Alter, ab dem Renten ausbezahlt werden. Nüchtern betrachtet, lässt sich die Verteuerung der Altersvorsorge auf Dauer einzig über eine Erhöhung des Rentenalters bzw. dessen Anpassung an die steigende Lebenserwartung auffangen. In der Schweiz ist das Bewusstsein dafür unterentwickelt. Bereits die Anpassung des Rentenalters für Frauen von 64 auf 65 ist umstritten. Von 38 OECD-Mitgliedern kennen nur noch fünf andere Länder eine Differenz zwischen Geschlechtern. Eine Erhöhung über 65 hinaus – in der Schweiz noch fast ein Tabu. Ganz anders in der OECD: 20 Mitgliedstaaten planen eine Anhebung des regulären Renteneintrittsalters. Am meisten steigt das Rentenalter in der Türkei, von 52 auf 65 Jahre. Auch in Dänemark und Estland ist ein kräftiger Schritt nach oben geplant. In diesen beiden Ländern wird das Rentenalter automatisch an die Lebenserwartung angepasst. Im Durchschnitt der OECD zeichnet sich ein Rentenalter von 66,1 für Männer und 65,5 für Frauen ab. In der Schweiz bricht hoffentlich die «Renteninitiative» der Jungfreisinnigen mentale Blockaden. Sie sieht ein Rentenalter von 66 für alle vor, und danach eine Koppelung an die Lebenserwartung.