Meinungen

Rentenalter erhöhen

Der demografische Wandel erfordert weitgehende strukturelle Reformen der Altersvorsorge. Ein Kommentar von FuW-Redaktor Peter Morf.

«Eine stetig steigende Lebenserwartung und ein konstantes Rentenalter widersprechen sich fundamental.»

Das schweizerische Politestablishment weigert sich standhaft, die Folgen der alternden Bevölkerung zur Kenntnis zu nehmen. Will heissen, niemand wagt sich auch nur von Ferne an das Thema einer Erhöhung des Rentenalters heran. Dabei ist die Sachlage klar: Eine stetig steigende Lebenserwartung und ein konstantes Rentenalter widersprechen sich fundamental. Selbst die Angleichung des Rentenalters der Frauen an dasjenige der Männer hat einen schweren Stand.

Vielleicht hilft die Sicht von aussen, helfen externe Experten. Zu Wochenbeginn hat die OECD ihren Bericht zum Länderexamen der Schweiz publiziert. Dabei haben die Ökonomen das Schwergewicht des Berichts dem Thema der Alterung der Bevölkerung gewidmet. Die Befunde sind nicht neu: Die Alterung wird sich in der Schweiz in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch verschärfen – und zwar ausgeprägter als anderswo in der OECD. Der Bericht geht davon aus, dass der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von rund 10% (1960) bis in die 2050er Jahre auf 30% steigen wird.

Die Forderung der Experten ist klar: Um diese Entwicklung finanziell einigermassen aufzufangen, muss das Rentenalter steigen. Sie schlagen eine schrittweise Erhöhung auf 67 Jahre vor und danach eine Koppelung an die Entwicklung der Lebenserwartung. Etliche Länder haben schon ähnliche Schritte gemacht, doch die Schweiz zaudert.

Ergreift die hiesige Politik keine entsprechenden Massnahmen, werden die Kosten für die Altersvorsorge ausufern. Dadurch wird nicht nur die Wirtschaft unter Druck geraten und an Wettbewerbsfähigkeit einbüssen. Auch die öffentlichen Haushalte werden die steigenden Kosten spüren. Die OECD-Experten machen darauf aufmerksam, dass dadurch andere öffentliche Ausgaben verdrängt werden könnten.

Der Zufall hat dafür gesorgt, dass einen Tag nach der Publikation des OECD-Berichts die Sammelfrist für die Renteninitiative der Jungfreisinnigen angelaufen ist. Die Volksinitiative verlangt, dass das Rentenalter zunächst für beide Geschlechter schrittweise auf 66 Jahre zu erhöhen ist. Danach sei es an die durchschnittliche Lebenserwartung zu koppeln. Die Jungfreisinnigen haben es fertiggebracht, eine Handvoll eidgenössischer Parlamentarier in das Initiativkomitee zu holen. Die Initiative wird im Parlament berufene Fürsprecher haben.

Dennoch dürfte es das Anliegen, und mit ihm natürlich die Initiative, schwer haben. Das grünere Parlament wird sich – die Prognose sei gewagt – eher noch sturer gegen diesen nötigen Schritt aussprechen als das alte Parlament.

Die Initiative der Jungfreisinnigen weist den Weg zu einer nachhaltigen Finanzierung der Altersvorsorge. In diesem Bereich wollen just grüne und linke Kreise offenbar nichts mehr von der sonst so angepriesenen Nachhaltigkeit wissen. Sofern die Initiative zustande kommt, wird das Volk die Gelegenheit haben, sich zum zentralen Thema einer tragfähigen Altersvorsorge äussern.