Ein Land in seinem Widerspruch: Das Vittoriano in Rom ist Royalismus in Reinform, die Weihestätte von Vittorio Emanuele II., bis 1861 König von Sardinien-Piemont, dann erster König des neu geschaffenen italienischen Nationalstaats. Die Republik Italien, die am 2. Juni ihren 76. Geburtstag feiert, stört das monarchische Gepränge nicht. Der 1927 vollendete Prunkbau (über Geschmack lässt sich nicht streiten – und wie!) steht nun mal da, also gilt es, ihn für die Selbstinszenierung des Staats zu nutzen. Die Abschaffung der Monarchie war eine recht knappe Sache. Am 2. Juni 1946 stimmten in einem Referendum 54% dafür, 46% wollten die Krone behalten, vor allem im Süden. Der letzte König herrschte nur 40 Tage: Umberto II. hatte am 9. Mai den Thron bestiegen; am 13. Juni verwies ihn die Regierung des Landes, noch bevor am 18. Juni das Ergebnis der Volksbefragung offiziell bekanntgegeben und der König damit abgesetzt wurde. Der neue Pater patriae war ursprünglich Ausländer: Alcide de Gasperi, kurz Staats-, dann Ministerpräsident, stammte aus dem Trentino, hatte in Wien studiert, dem österreichischen Reichsrat sowie dem Tiroler Landtag angehört und galt als habsburgtreu. Ein Mann in seinem Widerspruch.