Meinungen

Resistente Insulaner

Die Aufwertung des Frankens zum Euro könnte sich fortsetzen. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Sylvia Walter.

«Noch ist es zu früh, auf einen stärkeren Euro zu setzen.»

Japaner und Schweizer haben einiges gemeinsam. Der viertgrösste Inselstaat der Welt und die Franken-Insel in Europa teilen sich zumindest das Schicksal, durch die Anleger als sicherer Hafen eingestuft zu werden. Bahnt sich wieder einmal eine Krise an, suchen die Investoren Zuflucht im Franken und im Yen. Nun ist es wieder so weit. Bereits seit Anfang März wertet die Schweizer Valuta zum Euro auf.

Mittlerweile müssen nur noch 1.0725 Fr. für einen Euro berappt werden. Noch im März lag der Wechselkurs bei 1.112 Fr./€ – eine Aufwertung des Frankens um etwa 3,7%, wobei der Lauf der heimischen Währung in den vergangenen Wochen an Dynamik zulegte. Erneute Besorgnis um die Delta-Variante sei Dank. Zudem signalisierten die Währungshüter der EZB, dass sie es mit der Straffung der Geldpolitik nicht eilig haben.

Die aktuelle Aufwertungstendenz löst keine Schockwellen in der Wirtschaft und Bevölkerung aus. Durch viele Krisen hindurch hat sich eine gewisse Resistenz entwickelt. Man weiss hierzulande, dass Sicherheit auch unangenehme Nebeneffekte haben kann. Der Wechselkurs zum Euro befindet sich wieder auf dem Niveau vom vergangenen November. Mehr auch nicht.

Die Aktienperformance und die Exportleistung der Schweiz sind nicht in Gefahr. Gerade die Multis wissen sich gegen Wechselkursschwankungen abzusichern. Auch die SNB lässt sich nicht ins Bockshorn jagen. Sollten Anlagen jetzt in Euro verschoben werden? Vorsicht: Aufgrund des Pandemieverlaufs könnte sich der Franken weiter aufwerten. Zudem steht mit der Notenbankkonferenz in Jackson Hole Ende August noch eine Hürde an, die kurzfristig zu höherer Unsicherheit führen kann.