Märkte / Anleihen

US-Zinskurve sendet neues Rezessionssignal

Analyse | Erstmals seit der Finanzkrise rentieren zweijährige US-Anleihen höher als zehnjährige. Die Inversion der Zinskurve verheisst nichts Gutes.

Die Konjunkturdaten enttäuschen weltweit. So befindet sich Deutschland wahrscheinlich schon in einer Rezession. Der amerikanische Anleihenmarkt sendet immer deutlichere Warnsignale aus. Erstmals seit 2007 rentieren zweijährige US-Staatsanleihen (1,64%) mehr als zehnjährige (1,62%).

Schon seit Mai notieren zehnjährige Renditen unter den dreimonatigen. Rentieren langfristige höher als kurzfristige Anleihen, spricht man von einer Inversion der Zinskurve. Das war in der Vergangenheit ein Zeichen, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession schlittert.

Dass Langfristige niedriger notieren ist die Ausnahme am Anleihenmarkt. Langfristige Papiere sollten in der Regel höhere Renditen abwerfen, da Anleger damit mehr Risiken oder länger andauernde Haltefristen eingehen. Nach der ökonomischen Theorie sollte die langfristige Rendite die Erwartungen von zukünftigen kurzfristigen Zinsen und einer Laufzeitprämie (Term Premium) einschliessen.

Erst wenn die erwarteten Leitzinsen in der Zukunft deutlich tiefer sind als das jetzige Zinsniveau, sollte es zur Inversion kommen. Niedrigere Zinsen werden von der Notenbank implementiert, um einen Wirtschaftsabschwung abzufedern.

Wachstumserwartungen fliessen ein

Erwartet der Anleihenmarkt einen schlechteren Wirtschaftsverlauf, sinken die langfristigen Renditen und die Renditen können invertieren. In den USA war es bisher ein verlässlicher Indikator – besser als etwa die Kurse am Aktienmarkt. Ausserhalb der Vereinigten Staaten ist dieses Signal aber nicht so zuverlässig.

Auch für die US-Wirtschaft könnte die Zinskurve weniger aussagekräftig sein. Eine Studie der US-Notenbank im Dezember hat festgellt, dass die US-Zinskurve leichter in die Inversion geraten könnte – denn die Laufzeitprämie sei nun niedriger als früher. Investoren verlangen also weniger Renditeaufschlag, um längerlaufende Anleihen zu halten.

Erstmals expansive Fiskalpolitik

Ein weiterer Zweifel an der Zuverlässigkeit der Zinskurve weckt die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump. Denn seit 1965 gingen US-Rezessionen immer abnehmende Staatsausgaben (im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung) voraus. Nun wächst aber das Haushaltsdefizit der USA: Erstmals ist eine inverse Zinskurve von einer expansiven Fiskalpolitik begleitet.

Auch wenn das Rezessionssignal wieder richtig liegt, kann es bis zum Eintritt des Abschwungs noch einige Zeit dauern. So invertierte die Zinskurve im August 2006, aber erst 16 Monate später kam es tatsächlich zur Rezession. Die Zinskurve ist nicht nur ein ominöses Orakel, sondern hat direkte Auswirkungen. So sinkt die Zinsmarge der Banken, die tendenziell langfristig verleihen: Das könnte die Kreditvergabe behindern.

Trotz aller historischen Evidenz sollte man die Zinskurve als Warnsignal betrachten, nicht als immer richtig liegendes Orakel. Die US-Notenbank könnte jetzt schnell mit einer demonstrativen Lockerung der Geldpolitik reagieren und damit den Anfang einer Rezession weiter nach hinten schieben.

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