Unternehmen / Konsum

Richemont ist auf Kurs

Analyse | Der Luxusgüterkonzern ist gut unterwegs zu einem hervorragenden Semesterergebnis. An der Börse wird das Potenzial unterschätzt.

Nach dem eher durchzogenen Ergebnis im vergangenen Geschäftsjahr nimmt auch Richemont nun langsam Fahrt auf. Bislang sorgten vor allem Sondereffekte dafür, dass der Genfer Luxusgüterkonzern punkto Wachstum mit der Konkurrenz nicht mithalten konnte. Nun präsentiert auch er nach fünf Monaten mit einem Plus von 10% ein zweistelliges Wachstum.

Der zweite Überraschungsfaktor ist die Nachricht über Jérôme Lambert. Nachdem der Konzern nach dem Abgang von Richard Lepeu im April 2017 auf die Ernennung eines CEO verzichtet hatte, will er nun doch wieder einen Chef an der Spitze sehen. Wenig überraschend ist, dass die Wahl auf Lambert fiel. Der bisherige Chief Operating Officer kennt Richemont seit Jahren. Zudem hat er bei der konzerneigenen Marke Montblanc bereits unter Beweis gestellt, dass er Turnaround-Situationen meistern kann.

Gefragter Schmuck – schwächelnde Uhren

Vor allem der Bereich Schmuck mit den Marken Cartier und Van Cleef & Arpels fand bei der Käuferschaft deutlich grösseren Anklang. Die Einnahmen mit Schmuckwaren erhöhten sich im Zeitraum April bis August gegenüber der Vorjahresperiode 14%. Damit wurden auch die höchsten Erwartungen der Analysten erfüllt. Aus Anlegersicht ist diese Entwicklung besonders erfreulich, da Schmuckwaren strukturell deutlich höhere Margen abwerfen als Uhren.

Die Uhrendivision bleibt hingegen noch das Sorgenkind des Konzerns. Mit einem Umsatzplus von 4% hinkt Richemont der Veränderung der Schweizer Uhrenexportzahlen (+10% im selben Zeitraum) deutlich hinterher.

In den vergangenen zwei Jahren hatte der Luxusgüterkonzern bei seinen Uhren eine grössere Flurbereinigung durchgeführt. Händler, die auf zu vollen und unverkäuflichen Lagern sassen, konnten Modelle an Richemont zurückverkaufen. Um eine ähnliche Situation künftig zu vermeiden, ist der Konzern bei der Auslieferung auf die Bremse gestanden. Bereits im Mai hatte Richemont-Präsident Johann Rupert gesagt, man wolle das Wachstum nicht um jeden Preis erzwingen.

Gute Halbjahreszahlen in Aussicht

Traditionsgemäss publiziert Richemont am (heutigen) Tag der Generalversammlung ein Kurz-Update zur Geschäftsentwicklung zwischen April und August. Auf eine Kommentierung und den Ausblick verzichtet das Management. Die ausführlichen Halbjahreszahlen werden am 9. November veröffentlicht.

Die erfreuliche Umsatzentwicklung lässt erwarten, dass Richemont zum Halbjahr sowohl den Gewinn als auch die operative Marge noch einmal deutlich steigern kann. Mit diesem Hintergrund ist der jüngste Ausverkauf sowohl der Aktien Richemont als auch der von Swatch Group wenig verständlich. Die aktuellen Notierungen sind aus Sicht von «Finanz und Wirtschaft» deshalb Einstiegskurse.

Aktien sind ein Kauf

Richemont werden derzeit mit dem Zwanzigfachen des geschätzten Gewinns für 2018/19 bewertet. Gegenüber dem Luxusgütersektor ist dies ein Abschlag von gegen 10%. Aus Sicht der Analysten der Neuen Helvetischen wäre gar eine Prämie zum Sektor angebracht.

Der Hintergrund des jüngsten Absturzes waren die Ängste, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China die Konsumentenstimmung im Reich der Mitte beeinträchtigen könnte. Tatsächlich erzielen Richemont und Swatch Group im Grossraum China (inkl. Hongkong) zwischen 30 und 40% ihres Umsatzes. Allerdings haben Richemont vom Jahreshoch bei 99 Fr. 15% eingebüsst. Damit ist eine allfällige Abflachung des Wachstums äusserst grosszügig eingepreist.

Die komplette Historie zu Richemont finden Sie hier. »

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