Es wird immer wieder davon gesprochen, dass der Handel zusehends von Maschinen beherrscht wird. Wie dem auch sei: Diese Maschinen werden von Menschen programmiert und müssen letztlich auch versuchen, es diesen recht zu machen. Es erstaunt denn auch nicht, dass sich das Verhalten der Börse über die letzten zwanzig Jahre nicht grundlegend verändert hat.

Dank Robo-Tradern ist es aber einfacher geworden, die Verantwortung von sich zu schieben. Und Robo-Trader können das ein bisschen schneller, was Menschen nach einer Gedenkstrecke erst etwas später tun. Die Marktbewegungen sind deshalb schärfer geworden, weil die Marktliquidität dem Ansturm in gewissen Momenten nicht mehr gerecht werden kann. Aber es regnet ja nicht aus heiterem Himmel.

Klassifizierung schwierig

Richemont hat seit Anfang des Jahres eine zweistufige Aufwärtsbewegung durchlaufen. Diese haben wir bereits vor fünf Wochen als ABC-Sequenz mit einem typischen Bewegungsziel bei rund 85 beschrieben. Wenn eine solche Struktur zu Ende ist, dann ist Schluss. In der Folge beginnt etwas unbekanntes Neues, das aber erst mal mit fallenden Kursen verbunden ist. Klar, dass man keine Verkaufssignale und -gründe abwarten muss, um möglichst teuer verkaufen zu können.

Richemont hat den zu Jahresbeginn angespielten Akt soeben abgeschlossen. Jetzt geht es darum, die neuen Bewegungen möglichst rasch und mit grosser Sicherheit zu klassifizieren. Das ist im Moment aber erst ansatzweise möglich. In solchen Konstellationen bediene ich mich der Szenariotechnik. Die Chancen stehen gut, dass CFR um 75 Halt finden wird. Das eine Szenario sieht von dort ausgehend eine neue, durable Aufwärtsbewegung vor – ähnlich jener vom ersten Halbjahr. Das andere erwartet eine Erholung, die aber nicht mehr über 85 hinausführt. Man muss die Zukunft nicht kennen, um in Eigenverantwortung eine passende Entscheidung fällen zu können.

Dynamik abgeschwächt

Nach einer zügigen und sehr gradlinigen Aufwärtsbewegung hat sich die Dynamik im Kursverlauf von BALN zuletzt erheblich abgeschwächt. Zwischen dem Hoch vom 16. April und jenem vom 17. Juli liegen gerade noch 4,1% – und dies, nachdem die Aktie in den vier Monaten zuvor noch um 35% zugelegt hatte. Jeder, der eine Ware verkauft und deren Absatz überwacht, würde daraus auf eine Marktsättigung schliessen. Das geht im Falle von BALN auch mir so. Verkaufssignale und offensichtliche Verkaufsgründe gibt es noch keine – wobei diese offenbar im Hintergrund schon existieren, denn irgendjemand hat die Aktie am 17. Juli dem Abnehmer ja zum Kaufen bereitgestellt.

Der Umgang mit einer Situation wie jener bei Baloise ist offensichtlich sehr individuell. Oft zieht sich eine solche Konstellation noch über längere Zeit hin. Währenddessen kommt es dann auch zu weiteren neuen Hochs, die Netto-Zugewinne bleiben aber, wie bereits über die vergangenen drei Monate, verhältnismässig gering. Ist der Sättigungspunkt überschritten, kippt der Markt direkt in ein Stadium mit deutlichem Verkaufsüberhang.

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