Unternehmen / Finanz

Richtig sparen mit Vorsorgefonds

Langfristig gehen die Renditen von Wertschriftenlösungen in der Säule 3a weit auseinander. Worauf Alterssparer bei der Fondswahl achten sollten.

Wer mit Wertschriftenlösungen fürs Alter vorsorgen will, hat die Wahl der Qual. Rund fünfzig Produkte, die unterschiedlich in verschiedene Anlageklassen investieren, stehen zur Auswahl. Erschwerend kommt hinzu, dass im Herbst Banken oft Werbekampa­gnen lancieren, um Sparer in ihre 3a-Produkte zu locken, die langfristig aber nicht zwingend die beste Rendite erbringen.

Zusammen mit dem Online-Vergleichsdienst Moneyland.ch hat «Finanz und Wirtschaft» die Produkte in der Säule 3a unter die Lupe genommen, die für Privatanleger erhältlich sind (hier geht es zum individuellen Vorsorgefonds-Vergleich). Berücksichtigt wurden nur die Angebote, die seit mindestens drei Jahren auf dem Markt sind. Denn beim Thema Altersvorsorge ist es wichtig, dass ein Produkt über eine längere Zeit eine ansprechende Rendite erzielt. Ebenso wurden Produkte weggelassen, die institutionellen Anlegern vorbehalten sind. Sie sind zwar über Plattformen wie Liberty Vorsorge auch für Privatanleger erhältlich. Allerdings fallen hierbei zusätzliche Kosten an.

Markante Renditeschere

Zu den besten Produkten gehören diejenigen der Zürcher Kantonalbank (ZKB) sowie von Swiss Life (SLHN 335.3 0.18%). Sie haben in unterschiedlichen Risikokategorien über drei Jahre hinweg die höchsten Renditen abgeliefert. Auch die Produkte von Credit Suisse (CSGN 9.946 -0.79%) sind meist weit vorn anzutreffen. Eher durchschnittlich hingegen sind die Vorsorgelösungen von UBS (UBSG 11.01 -0.63%) und PostFinance. Letztere hat es in keiner Kategorie unter die Besten geschafft.

Es zeigt sich deutlich, wie sich über die Jahre hinweg die Renditeschere markant öffnet. So konnten etwa bei den ausgewogenen Fonds Vorsorgesparer mit dem Top-Produkt der ZKB über zehn Jahre hinweg eine 60% höhere Rendite erzielen als mit dem Expert-Vorsorgefonds der Luzerner Kantonalbank (LUKN 376.5 0.13%). Schwach rentieren hingegen die auf höchste Sicherheit setzenden Geldmarkt- und Obligationenfonds. Hier bieten sich als Alternative 3a-Zinskonten an. Bei ihnen besteht keine Gefahr von Negativrenditen.

Im Vergleich wurden nicht nur die Renditen der letzten drei bis zehn Jahre untersucht. Moneyland berechnete auch die Fondskosten, wenn 100 000 Fr. über zehn Jahre investiert sind.  Bei der aktuell jährlich maximal möglichen Einzahlung von 6826 Fr. dauert es fünfzehn Jahre, bis Vorsorgesparer diese Summe erreichen.

Gebühren im Auge behalten

Um in diesem Dickicht von Renditen und Kosten den Durchblick zu behalten, empfiehlt Benjamin Manz, Geschäftsführer von Moneyland.ch, folgendes Vorgehen: «Wer mit Wertschriften vorsorgt, sollte zuerst für sich die Risikofähigkeit definieren und dann unter den entsprechenden Fonds denjenigen mit den günstigsten Kosten wählen.»

Die Risiken hängen vom Anteil der Aktien im Fonds ab. Je höher er ausfällt, desto mehr müssen Sparer bereit sein, Wertschwankungen des Vorsorgefonds aushalten zu können. Aktien versprechen zugleich langfristig aber auch höhere Renditen als etwa Obligationen, die bei den meisten Fonds den Hauptteil der Wertschriften ausmachen.

Allerdings ist es gefährlich, sich nur auf die ausgewiesenen Renditen zu fixieren. «Vor allem in guten Jahren schauen An­leger fast ausschliesslich auf die Performance und nicht auf die Kosten des Anlageprodukts», sagt Manz von Moneyland. Aber die Kosten schwanken im Vergleich zur Rendite nicht, sie fallen auch in schlechten Jahren an. Zudem sei es meist auch ziemlich anspruchsvoll, die effektiven Gesamtkosten tatsächlich zu erfassen. Zwar ist mit dem Kürzel TER (Gesamtkostenquote, Total (FP 32.845 -0.77%) Expense Ratio) eine Kennzahl zur Erfassung der Kosten geschaffen worden. Jedoch beinhaltet sie – entgegen ihrer Bezeichnung – nicht alle anfallenden Gebühren.

Passive Produkte mit Mühen

Die Auswertung zeigt zwei weitere Auffälligkeiten. In den vergangenen Jahren wurden vermehrt Vorsorgefonds mit einem besonders hohen Aktienanteil lanciert. ­Allerdings haben sich diese in jüngerer Vergangenheit trotz günstigem Umfeld gegenüber ausgewogenen Fonds noch nicht abheben können. «Solche Produkte sind nur fürs Alterssparen geeignet, wenn der Anlagehorizont mindestens zehn Jahre beträgt», sagt Manz von Moneyland. Leider seien diese Produkte oftmals eher teuer. Die UBS erhebt für ihre Vitainvest-Produkte mit einem Aktienanteil von 75% eine jährliche Gebühr von bis zu 1,7%.

Gleichzeitig konnten sich passiv gemanagte Fonds, die dank niedriger Kosten und der Nähe zu Marktindizes längerfristig besser rentieren sollten, im Vorsorgebereich noch nicht entscheidend durchsetzen. «Der Grund dafür ist einfach: Anbieter verdienen mit günstigen Fonds weniger», sagt Manz. Der Anreiz, besonders günstige Produkte auf den Marktz zu bringen, ist deshalb gering.

Allerdings lässt sich nicht nur über Fondslösungen mit Wertschriften fürs Alter sparen. Vor zwei Jahren ging die Digital-App Viac an den Start, die zusammen mit der Bank WIR kostengünstige ETF-Vorsorgelösungen mit einem variablen Aktienanteil von 0 bis 97% anbietet. Inzwischen verwaltet das Start-up bereits 240 Mio. Fr. von 15 000 Kunden.

Ebenfalls günstiger als aktienlastige 3a-Fonds ist das ETF-Baukastensystem des VZ VermögensZentrum. Vorsorgende können wie bei Viac den gewünschten ­Aktienanteil in der Säule 3a selbst bestimmen und bei Bedarf anpassen.


 Das Zinskonto als Alternative

Nicht für alle Vorsorgesparer ist eine Wertschriftenlösung geeignet. Wem weniger als zehn Jahre bis zur Pensionierung oder bis zum vorzeitigen Bezug von 3a-Geldern infolge Hauskauf, Selbstständigkeit oder Wegzug aus der Schweiz verbleiben, setzt besser auf ein risikoloses Zinskonto. Lohnend kann ein Zinskonto auch dann sein, wer privat ohnehin schon in Wertschriften investiert ist und die Säule 3a vor allem zur Steueroptimierung nutzen möchte. Zwar sind die Zeiten von üppigen Sonderkonditionen im Zuge der Tiefzinsphase auch im 3a-Bereich vorbei. Doch noch immer werden Vorsorgekonten im Vergleich zu Sparkonten überdurchschnittlich gut verzinst.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, Vorsorgegelder jeweils bei einem der Anbieter aufzubewahren, die die höchsten Zinsen gewähren. Seit längerer Zeit gehören da die Bank Wir, die Neue Aargauer Bank, die Banque CIC, die Cornèr Banca sowie die Glarner Regionalbank dazu.
Weniger grosszügig zeigen sich grössere Banken wie UBS, Raiffeisen und PostFinance sowie die Kantonalbanken. Die Zürcher Kantonalbank zahlt gar nur noch einen Minizins von 0,05%. Die Konditionen können aber jederzeit geändert werden. Nicht berücksichtigt wurden Produkte von lokalen Banken, die nicht überregional angeboten werden.

Vor einem Anbieterwechsel gilt es jedoch zu beachten, dass einige Banken eine mehrmonatige Kündigungsfrist vorgesehen haben oder gar eine Gebühr verlangen. Einige Anbieter offerieren einen zusätzlichen Zins, wenn etwa neben dem 3a-Konto auch ein Sparkonto eröffnet wird.