Meinungen

Risiko: Verschoben ist nicht aufgehoben

Das Greensill-Debakel der Credit Suisse bringt längst überwunden geglaubte Muster zurück an die Oberfläche. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Monica Hegglin.

«Ein Risiko verschieben heisst nicht, es aufzuheben.»

Und wieder steht Credit Suisse vor einem Scherbenhaufen. Der Skandal rund um die im März implodierten Greensill-Lieferkettenfinanzierungs-Fonds weitet sich aus. Der Verwaltungsrat untersucht, die Geschäftsleitung schwankt, die Aufsichtsbehörde bestellt zusätzliche Eigenmittel, die Kunden reklamieren, die Mitarbeiter verzweifeln. Und die Aktionäre greifen sich an den Kopf.

Dass mit Ulrich Körner ein neuer CEO für das Asset Management gefunden wurde, ist eine gute Nachricht. Der «Old Shatterhand» der Banken weiss, wie man in einer Krise die Zügel in der Hand behält. Er muss Vermögensabflüsse stoppen und das Geschäft zusammenhalten. Gleichzeitig gilt es, das Asset Management zukunftsfähig aufzustellen. Dabei geht es um Märkte und Produkte, aber auch um Prozesse und Performance. In den vergangenen Jahren hat das Asset Management von Credit Suisse an Renommee verloren. Dass der Geschäftsbereich Asset Management nun wieder als selbstständige Division geführt werden wird und nicht als Teilbereich des International Wealth Management, vergrössert den Handlungsspielraum.

Bezüglich Vergangenheitsbewältigung ist zu hoffen, dass die von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner angekündigte Untersuchung – vermutlich seine letzte – Klarheit über die Vorgänge schaffen wird. Greensill war ein Grosskunde, und es ist sehr wahrscheinlich, dass sowohl Verwaltungsräte wie Geschäftsleitungsmitglieder sich um Lex Greensill und seine Firmen bemühten. Indem man einen Fondsmanager und seine beiden Vorgesetzten suspendiert und den Leiter Asset Management aus der Schusslinie nimmt, ist der Klärungsbedarf wohl nicht erfüllt.

Indem die CS vor Kosten des Greensill-Fiaskos warnt, gibt die Bank indirekt zu, dass bei ihren Fonds ein Etikettenschwindel vorliegt. Die Investitionsvehikel waren kein Ersatz für Cash, auch wenn sie als Cashersatz beworben wurden; sie sind nicht werthaltig genug, und der Versicherungsschutz greift nicht. CS ist womöglich Täter und Opfer zugleich. Jedenfalls geht die Bank davon aus, zumindest teilweise für das Fondsvermögen geradestehen zu müssen.

Damit zeigt sich mit aller Deutlichkeit, dass Vermögensverwaltung nicht weniger riskant ist als das Geschäft der Investmentbanken. Oder anders gesagt: Risiken, die aus der Investmentbank verschwanden, tauchen in ähnlicher Form im Asset Management wieder auf.

Wegen missbräuchlicher Verkäufe minderwertiger Hypothekarpapiere musste die CS in der Vergangenheit mehrere Mrd. $ Schadenersatz leisten. Im Fall Greensill halten nun einfach Fondsinvestoren die Schrottpapiere. Die Risiken wurden scheinbar ausgelagert – auf Greensill, auf die Versicherung, auf den Fondsanleger. Dafür konnte die CS als regulierte Bank Kapital sparen. Doch nun, da die Sache transparent wird und das Risiko sich manifestiert, verlangt die Finma von der CS, mehr Eigenmittel zu halten. Ein Risiko verschieben heisst nicht, es aufzuheben.