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Unternehmen / Gesundheit

Roche testet Medikament gegen Coronavirus

Mit einem schon zugelassenen entzündungshemmenden Mittel könnte der Konzern mehrere Milliarden Franken zusätzlich umsetzen.

(AWP/RB) Roche arbeitet mit Hochdruck an der Bekämpfung des Coronavirus. Nachdem der Pharmakonzern erst vor wenigen Tagen die Notfallzulassung für seinen Coronatest erhalten hatte, kündigte er am Donnerstag nun den Start einer Phase-III-Studie mit seinem bereits zugelassenen Arthritismedikament Actemra/RoActemra zur Behandlung von Patienten an, die mit einer schweren Coronavirus-Lungenentzündung bereits stationär behandelt werden.

Man arbeite bei der Phase-III-Studie mit der US-Zulassungsbehörde FDA zusammen, hiess es in der Mitteilung weiter. Ziel sei es, eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte klinische Studie der Phase III in Zusammenarbeit mit der Biomedical Advanced Research and Development Authority (Barda) zu initiieren. Die Barda-Behörde gehört zum US-Gesundheits- und Sozialdienstbüro.

In der Studie sollen die Sicherheit und die Wirksamkeit von Actemra/RoActemra (Tocilizumab) in Kombination mit der gängigen Standardtherapie bei stationären erwachsenen Patienten getestet werden, die wegen einer schweren Covid-19-Lungenentzündung behandelt werden. Die Actemra-Kombination soll mit Placebo plus Standardtherapie verglichen werden.

Es handelt sich den Angaben zufolge um die erste weltweite Studie zu Actemra/RoActemra, die wissenschaflichen Kriterien genügt. Sie wird voraussichtlich Anfang April mit der Aufnahme von etwa 330 Patienten weltweit beginnen, einschliesslich der USA.

Erfahrungen in China und Italien

Anfang März wurde bekannt, dass in China bei der Behandlung einzelner Patienten mit Actemra positive Resultate erzielt wurden. (Lesen Sie hier mehr.) Das entzündungshemmende Medikament wurde ihnen verabreicht, weil schon zuvor bekannt war, dass es bei Lungenentzündungen helfen kann. Allerdings gab es keine breiten Erfahrungen mit Covid-19-Patienten.

Dennoch genehmigte Chinas nationale Gesundheitsbehörde den Einsatz von Actemra bei Erkrankten mit schweren Lungenschäden und einem erhöhten Interleukin-6-Wert. Eine hohe Konzentration dieses Proteins gilt unter anderem als Hinweis auf eine Entzündung. Actemra wurde in Europa 2009 und den USA 2010 als erstes Medikament seiner Klasse zugelassen. Es blockiert den Interleukin-6-Rezeptor, sodass das Protein seine entzündungsfördernde Wirkung nicht mehr entfalten kann.

Auch in Italien haben Ärzte positive Behandlungsergebnisse erzielt. Mitte März hat die italienische Gesundheitsbehörde deshalb die experimentelle Anwendung auf fünf weitere Spitäler ausgedehnt.

Zusätzlicher Umsatz sehr wahrscheinlich

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Roche 2,3 Mrd. Fr. mit Actemra/RoActemra umgesetzt. Noch ist völlig unklar, wie sich die Anwendung des Medikaments bei Covid-19-Patienten auf die Verkäufe auswirken wird.

Vontobel-Analyst Stefan Schneider belässt seine Schätzung einstweilen. Michael Nawrath von der ZKB könnte sich einen zusätzlichen Umsatz von 3 bis 4 Mrd. Fr. vorstellen. Die Beträge von bis 37 Mrd. Fr., die am Markt herumgereicht werden, hält er aber für «illusorisch».

«Finanz und Wirtschaft» hält es für sehr wahrscheinlich, dass die Actemra-Verkäufe zulegen werden, nur schon weil diverse Spitäler nun als Vorsichtsmassnahme grössere Mengen als gewöhnlich beschaffen werden. Allerdings ist zu bedenken, dass das Medikament nur bei schweren Fällen eingesetzt wird und damit nicht bei einer sehr grossen Zahl von Patienten.