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Rocky-Schoggi

Der Schokoladenhersteller Rocky Mountain Chocolate Factory hat mit einem ungewöhnlichen Ladenkonzept Erfolg. Die Aktien sind eine süsse Portfoliobeimischung.

Christoph Gisiger, New York

Wenn es um den Konsum von Schokolade geht, ist die Schweiz unangefochtener Weltmeister. 12 Kilo wiegt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch im Heimatland internationaler Branchenleader wie Nestlé (NESN 114.86 +0.05%), Lindt & Sprüngli oder Barry Callebaut (BARN 2'314.00 +0.78%). Weit abgeschlagen rangieren im Vergleich dazu die Vereinigten Staaten, wo im Schnitt nicht einmal halb so viel Schokolade gefuttert wird.

Dadurch eröffnen sich Chancen für Rocky Mountain Chocolate (RMCF 8.11 -3.34%) Factory (78 Mio. $ Börsenwert). Die kleine, aber feine Gesellschaft aus Colorado fokussiert sich auf das Premiumsegment des US-Schokolademarkts. Rund die Hälfte der Produkte werden dabei in den eigenen Verkaufsläden hergestellt, so dass die Kunden zusehen können, wie der Chocolatier nach alter Schule Pralinés, Fondants oder mit Schokolade überzogene Äpfel zubereitet. Besonders gut kommt das in touristischen Vergnügungsmeilen wie der Fisherman’s Wharf in San Francisco oder dem River Walk in San Antonio an.

Ausgedacht hat sich das Konzept Patron und Hauptaktionär Frank Crail. Er verdiente sein Geld zunächst als Mitbegründer einer Softwarefirma in Südkalifornien. Bald sehnten er und seine Frau sich jedoch nach dem einfachen Landleben in einer Kleinstadt, weshalb sie nach Durango zogen. Im historischen Wild-West-Städtchen am Fuss der Rocky Mountains eröffnete Crail 1982 sein erstes Confiserie-Geschäft. Er gründete bald weitere Niederlassungen und brachte das Unternehmen 1985 an die Börse. Heute stellt die Schokoladefabrik in Durango rund dreihundert Produkte her und liefert sie mit der Flotte von Tiefkühllastwagen an rund 360 Niederlassungen im ganzen Land aus.

Ein kurzer Blick auf die Zahlen zeigt, dass sich das Unternehmen trotz des schwierigen Konsumklimas in den USA wacker schlägt. In den vergangenen  fünf Jahren ist der Umsatz kontinuierlich von 28 auf 39 Mio. $ pro Jahr gewachsen. Für das aktuelle Geschäftsjahr wird trotz eines wetterbedingt schwierigen Starts mit Rekordeinnahmen und einer Gewinnsteigerung von 60 auf gut 80 Cent pro Aktie gerechnet.

Einen wichtigen Beitrag soll dazu der Turnaround der Tochter U-Swirl leisten, die Anfang 2013 übernommen wurde und in ihren Filialen aus Joghurt gemachtes Speiseeis verkauft. Eine Kooperation mit dem Zerealienhersteller Kellogg’s fördert zudem den Bekanntheitsgrad im Kerngeschäft. Auch schmieden Crail und seine Crew ehrgeizige Expansionspläne im Ausland, wobei Japan zuoberst auf der Liste steht.

Für Investoren macht das Rocky Mountain Chocolate Factory zur interessanten Portfoliobeimischung. Das Unternehmen gehört jedoch selbst im Sektor der Small Caps zu den kleinsten und ist an Wallstreet noch kaum bekannt. Zum Kurs-Gewinn-Verhältnis 15 für 2014 sind die Titel denn auch klar günstiger bewertet als die Valoren von Branchenprimus Hershey (HSY 150.60 +0.84%) (23), der fast die Hälfte des US-Markts kontrolliert. Versüsst wird ein Engagement ausserdem durch die Dividendenrendite von 3,4%. Schuldenfrei, zahlt die Gesellschaft bereits seit elf Jahren ohne Unterbruch eine Barausschüttung aus.