Meinungen

Rohstoffrally – wie weiter?

Das Feuerwerk der Rohstoffpreise nimmt kein Ende mehr. Ein Kommentar von FuW-Redaktorin Sylvia Walter.

«Die Notenbanken sehen einmal mehr herausfordernden Zeiten entgegen.»

Von A wie Aluminium bis Z wie Zinn – die Kursexplosion an den Rohstoffmärkten überrascht selbst eingefleischte Commodity-Bullen. Viele Unternehmen beklagen Lieferengpässe und den daraus resultierenden Kampf um knappe Ressourcen. Baufirmen gelangen nicht mehr an das dringend benötigte Bauholz, die grossen Autobauer in Deutschland stellen teilweise die Produktion ein, da die unentbehrlichen Halbleiter mit Hauptbestandteil Silizium nicht lieferbar sind.

Die Bullenrally vieler Rohstoffe geht einher mit hoher Volatilität. Die Anleger, die es wagen, auf die Kursentwicklung von Rohstoffen Wetten einzugehen, können einen Reibach machen. Wie zyklisch oder wie strukturell der jeweilige Preisanstieg tatsächlich ist, wird, wie so oft, erst der Blick in den Rückspiegel erweisen.

Doch eines ist klar: Die Herstellungskosten vieler Produkte steigen. Die entscheidende Frage wird sein, ob die Produzenten diese Güterinflation an die Konsumenten weitergeben können oder nicht. Wenn nicht, ist Margendruck unvermeidbar. Sowohl Ökonomen als auch Finanzmarktteilnehmer werden die Veröffentlichung der US-Inflationsdaten am Mittwochnachmittag mit Spannung verfolgen. Fällt das Ergebnis noch höher aus als erwartet, ist ein Taper Tantrum der Märkte nicht auszuschliessen.

Die Notenbanken sehen einmal mehr herausfordernden Zeiten entgegen. Sie müssen das kommunikative Kunststück schaffen, den potenziellen Renditeanstieg zu zügeln, ohne den Aktieninvestoren den Glauben an einen starken Zyklus zu nehmen. Die Historie zeigt, dass der initiale Inflations- und Zinsanstieg den Risikopapieren nicht schaden muss, solange er mit starker Konsumnachfrage und entsprechenden Absatzzahlen einhergeht.