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Rohwarenindizes unter der LupeRohstoffanlagen sind beliebt – Nicht immer bieten rolloptimierte Benchmarks gegenüber klassischen Indizes Vorteile

Andreas Stocker

Rohstoffanlagen sind beliebt. Mit der Ausnahme von Edelmetallen kann aber kaum physisch in sie investiert werden, denn die Lagerung von bspw. Agrargütern wie Weizen und Soja ist bloss für eine bestimmte Zeit möglich – sie verderben. Deshalb beziehen sich Anlageinstrumente auf Terminkontrakte, sogenannte Futures. Diese müssen jedoch gerollt werden: Da keine physische Lieferung der Waren stattfindet, wird kontinuierlich von einem Kontrakt in den nächsten umgeschichtet (gerollt). Das ist umständlich, zudem erfordern Anlagen in Futures hohe Anlagesummen.

Eine einfache Möglichkeit zu investieren, ohne direkt Futures zu erwerben, sind strukturierte Produkte (Zertifikate) und kotierte Fonds (ETF) auf Rohstoffindizes. Klassische Benchmarks funktionieren wie folgt: Sie erwerben Futures mit kurzen Laufzeiten, diese Kontrakte verfügen in der Regel über die höchste Liquidität. Sind die neuen Futures teurer, verursacht das Rollen entlang der Terminkurve einen Verlust. Das gilt für eine normale Marktsituation mit Preisaufschlag, dem sogenannten Contango. Andernfalls – in Backwardation – resultiert ein Rollgewinn. Neuartige Indizes versuchen den Rollmechanismus zu optimieren (vgl. FuW Nr. 2 vom 7. Januar). Sie funktionieren wie folgt: In einer Contango-Situation investiert der Index in Kontrakte, die sich auf einem Punkt der Terminkurve befinden, wo die Steigung am flachsten ist. Dadurch wird der Rollverlust minimiert. In einer Backwardation-Situation wählt das Modell Kontrakte aus, die sich auf dem am steilsten abfallenden Teil der Terminkurve befinden. Dadurch wird der Rollgewinn maximiert (vgl. Grafik). «Vorteile bieten rolloptimierte Indizes nur unter bestimmten Voraussetzungen», erläutert Philip Knüppel von Deutsche Bank. Er fügt an, dass der Mechanismus erst bei Anlagehorizonten von mehreren Monaten zum Tragen komme. Der Grund: «Terminkurven von Rohstoffen sind lebendig, sie verändern sich.» Es ist daher möglich, dass sich kurzfristige Avancen in den Kassapreisen (Spot) von Rohwaren nicht vollständig auf Futures mit späteren Verfallsdaten übertragen – dort können rolloptimierte Indizes investiert sein.Überdies eignen sich die Benchmarks besser für bestimmte Sektoren des Rohwarenuniversums. Bei Energierohstoffen ist ihr Einsatz von Nutzen – sie erwirtschaften gegenüber klassischen Barometern eine Zusatzrendite. Rolloptimierte Indizes auf Industriemetalle eignen sich ebenfalls, auch wenn dort der Mehrertrag gegenüber klassischen Benchmarks gering ist. Kaum Mehrwert bieten die Indizes hingegen bei Agrarrohstoffen. Knüppel: «Die Terminkurven von Agrargütern sind äusserst volatil. Sie reagieren sensibel auf kurzfristige Angebotsänderungen.» Daher könne der Rollmechanismus kaum seine Wirkung entfalten. Welcher rolloptimierte Index ist der Beste? An Angebot mangelt es nicht. So vertreiben Emittenten wie ZKB, RBS, Deutsche Bank, UBS und Vontobel Zertifikate und ETF auf solche Barometer. Knüppel erklärt: «Während der vergangenen fünf Jahre entwickelten sich die Indizes von verschiedenen Anbietern ähnlich.» Es kann somit kein Rollmechanismus herausstechen. Bei einem Investment sollten Anleger deshalb auch auf die Indexgewichtung achten. Dort können sich die Indizes deutlich voneinander unterscheiden. Ebenfalls lohnt es sich, einen Blick auf das Market Making und die Bonität der Emittenten zu werfen.

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