Am 4. August 1347 sollen sechs Bürger von Calais vor den englischen König Eduard III. getreten sein: barfuss, nur im Hemd, mit einem Strick um den Hals. Eduard belagerte die Stadt, es drohte ihr das Schlimmste. Um das zu verhindern, stellten sich die sechs Notabeln als Geiseln zur Verfügung. Wie der zeitgenössische Chronist Jean Froissart überliefert, soll Eduard die selbstlosen Stadtväter verschont haben; Calais jedoch unterstand bis 1558 der englischen Krone. Auguste Rodin schuf Ende des 19. Jahrhunderts diese anrührende Plastik des Opfergangs. Als Bronzeguss existiert sie in zwölf Ausführungen. Eine steht im Hof des Kunstmuseums Basel, diese hier in Westminster. Nach dem Vollzug des Brexit am 31. Januar mag sie noch eindringlicher als jetzt schon an den letzten englischen Brückenkopf auf dem Festland erinnern. Zur Zeit der Belagerung Calais’ waren England und Frankreich noch eng verwoben; es tobte der Hundertjährige Krieg – eine vertrackte Abfolge anglofranzösischer Konflikte im 14. und 15. Jahrhundert. Damals war der englische König der grösste Grundbesitzer in Frankreich und der wichtigste Vasall des französischen Königs. Doch seither ist nie mehr zusammengewachsen, was einst zusammengehörte.(Bild: Getty Images)