Unternehmen / Rohstoffe

Rote Karte für Glencore

Die Fusion des Rohstoffhändlers Glencore mit dem Bergbaukonzern Xstrata ist gut eine Woche vor der entscheidenden Abstimmung gescheitert. Denn jetzt unterstützt auch Norwegen die Opposition.

Der Zusammenschluss der beiden Schweizer Rohstoffkonzerne kommt ohne pekuniäre Konzession von Glencore (GLEN 223.9 -2.38%) nicht zustande. Der katarische Staatsfonds, der ein besseres Austauschverhältnis fordert, hält mittlerweile 12,2% der Stimmen. Andere Opponenten kommen auf 3,6%. Damit ist das Quorum fast errreicht, das eine Fusion verhindern kann (16,6%).

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es Glencore noch vor der Xstrata-Generalversammlung vom 7. September gelingt, einige Kritiker zu überzeugen. Das Angebot von 2,8 Glencore-Titeln je Xstrata-Aktie wird als ungenügend erachtet. Katar fordert ein Austauschverhältnis von 3,25. Das Argument von Glencore, dass es wegen der veränderten Konjunkturlage ein guter Preis sei, hat bislang nicht verfangen. Und keine der beiden Parteien scheint einen Kompromiss eingehen zu wollen.

West und Ost gehen Hand in Hand

Unterstützung erhalten die Kritiker gemäss einem Bericht in der «Financial Times» von Norwegen. Die Norges Bank, die den staatlichen norwegischen «Öl»-Pensions-Fonds verwaltet, hat die Beteiligung an Xstrata in den letzten Wochen weiter ausgebaut. Mit 3% ist sie nach Glencore (33,65%), Qatar Holding (12,2%) und BlackRock (BLK 557 -1.75%) (4,5%) jetzt der viertgrösste Aktionär. Inoffiziell ist laut dem Finanzblatt sowohl Glencore als auch Xstrata signalisiert worden, dass die Konditionen des Zusammenschlusses nicht angemessen sind. Bestätigt wurde diese Aussage von keiner der Parteien.

Die Devise des norwegischen Fonds ist es, die einzelnen Investments nicht zu kommentieren. Die Wahrscheinlichkeit des Zusammenschlusses ist aber noch kleiner geworden als vor gut einer Woche. Das zeigt der Abschlag. Gemäss den Kursen am Mittwochmittag beträgt er 11,6%. Das liegt auch daran, dass Xstrata in den letzten Tagen wegen der Probleme von Lonmin (vgl. Artikel vom 29. August) unter Druck kam. Die Zuger halten knapp ein Viertel am südafrikanisch-britischen Platinproduzenten.

Glencore zu selbstbewusst?

Finden sich die Kontrahenten noch? Knapp eine Woche verbleibt, um zu einer Übereinkunft zu gelangen. Vonseiten von Xstrata und Glencore ist kein Abrücken von den Positionen, die sie an den Konferenzen zum Halbjahr (vgl. Artikel vom 7. August und 21. August) einnahmen, zu vernehmen. Damals strichen beide vor allem die eigenen Stärken heraus. Von den Vorteilen des Zusammenschlusses zu einem vielversprechenden Industriemodell für den Rohstoffsektor war weniger die Rede.

Wenn jetzt auch Norwegen das Austauschverhältnis als ungenügend erachtet, muss etwas dran sein. Wie Qatar Holding ist Norges Bank nicht bekannt dafür zu pokern. Sie vertraut auf ökonomische Argumente. Glencore muss einen Schritt tun. Ohne ein Entgegenkommen wird Ivan Glasenberg, der gewiefte Glencore-Chef, den Tatbeweis liefern müssen, dass sich der Rohstoffhändler gut entwickelt. Dann kann er später – zu einem tieferen Preis – doch noch zum Zug kommen und die Vision von Glencore Xstrata umsetzen.