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Rückschlag für Bayer in wichtigem US-Glyphosat-Prozess

Die Jury gelangt zum Urteil, der Unkrautvernichter der Bayer-Tochter Monsanto sei ein «erheblicher Faktor» bei der Verursachung der Krebserkrankung des Klägers.

(Reuters) Bayer hat in einem entscheidenden US-Prozess über das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat einen schweren Rückschlag erlitten. Die Geschworenen in San Francisco gelangten am Dienstag einstimmig zu der Überzeugung, dass das glyphosathaltige Mittel Roundup der Bayer (BAYN 60.27 1.12%)-Tochter Monsanto einen «erheblichen Faktor» bei der Entstehung der Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman ausgemacht habe. Damit geht der Prozess am Mittwoch vor der selben Jury in eine zweite Phase, in der es um die Frage der Verantwortlichkeit des Konzerns und um eventuelle Schadenersatzansprüche geht.

Bayer äusserte sich enttäuscht über die Entscheidung. Das Unternehmen sei «weiterhin fest davon überzeugt, dass die vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen», hiess es in einer Mitteilung. Der Konzern sei zuversichtlich, «dass die Beweise in der zweiten Phase des Prozesses zeigen werden, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für die Krebserkrankung von Herrn Hardeman haftbar gemacht werden sollte».

Der Fall des Kaliforniers gilt als sogenannter «Bellwether Trial» – einer von mehreren repräsentativen Fällen, die bei Produkthaftungsklagen in den USA genutzt werden, um etwa die Schadensspanne und Möglichkeiten für einen Vergleich zu bestimmen. Er könnte die Richtung für mehr als 760 weitere bei dem Gericht in San Francisco anhängige Verfahren vorgeben. Als Erfolg für Bayer war gewertet worden, dass der Richter dem Antrag des Konzerns stattgegeben hatte, das Verfahren in zwei Phasen aufzuteilen. In der zweiten sollen nun die Vorwürfe des Klägers, Monsanto habe versucht, Wissenschaftler, Behörden und die öffentliche Meinung hinsichtlich der Sicherheit seiner Produkte zu beeinflussen, geklärt werden.

Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemie-Konzern hatte den Glyphosat-Entwickler Monsanto im vergangenen Sommer für 63 Mrd. $ übernommen. Bayer sieht sich in den USA wegen des Unkrautvernichtungsmittels mit etwa 11’200 Klägern konfrontiert. Der Konzern hat die Vorwürfe bestritten und verweist darauf, dass Zulassungsbehörden weltweit Glyphosat bei sachgemässer Anwendung als sicher bewerteten. Insgesamt sind für dieses Jahr derzeit sieben Verfahren zur Verhandlung angesetzt.

Im vergangenen Jahr hatte ein kalifornisches Geschworenengericht den Konzern zur Zahlung von 289 Mio. $ Schadenersatz an einen an Krebs erkrankten Mann verurteilt. Später wurde die Summe zwar auf 78 Mio. $ reduziert, doch Glyphosat wurde immer noch für die Krebserkrankung des Mannes verantwortlich gemacht. Die Bayer-Aktie geriet durch das Urteil massiv unter Druck.

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