Märkte / Aktien

Rückschlag für Substanzwerte

Nach zwei Quartalen mit überragender Performance leiden Value-Anleger bereits wieder. Für bessere Aussichten braucht es steigende Zinsen.

Es ist bitter für Value-Investoren: Die grosse Aufholjagd niedrig bewerteter Aktien droht zu scheitern, bevor sie richtig begonnen hat. Der globale Index für Value-Aktien von MSCI hat in den vergangenen Wochen an Terrain eingebüsst, während sein Gegenpart Growth Rekorde bricht. Und so ist auch das Verhältnis der Kurse der beiden Aktienkategorien erneut kollabiert.

Gängige Kriterien für eine günstige Bewertung, auch Value oder Substanz genannt, sind: ein niedriger Aktienkurs im Verhältnis zum Buchwert, dem Gewinn oder der Dividende. Auch wenn viele Experten solche Kennzahlen für antiquiert halten. In die Kategorie Growth hingegen fallen Titel von Unternehmen, die teuer bewertet sind – etwa weil sie schnell wachsen und ungeachtet der Konjunktur den Umsatz steigern. Oft sind sie unter Technologiegesellschaften mit einem innovativen, skalierbaren Geschäftsmodell zu finden.

Gedämpfte Wachstumseuphorie

Das Jahr hatte für Value-Fans vielversprechend angefangen. In der Erholung nach dem Coronacrash hatten konjunkturanfällige und günstige Titel mächtig Fahrt aufgenommen. Immer mehr Investoren begannen, von den hoch bewerteten Wachstumsaktien in niedrig bewertete Titel aus dem Finanz- und Energiesektor umzuschichten. Value-Fonds erfreuten sich über Mittelzuflüsse. Die über zehnjährige Durststrecke schien vorbei, denn endlich würden – so hoffte man – überdurchschnittliches Wachstum und Inflation zu höheren Zinsen führen. Steigen die Zinsen, profitieren Substanzaktien stärker als Growth-Titel. Die Bewertung der Wachstumsaktien hängt an tiefen Zinsen, da deren Gewinne fern in der Zukunft liegen – mit einem höheren Diskontsatz wird ihr Gegenwartswert stark reduziert. Dieser Text ist für Abonnentinnen und Abonnenten reserviert. Digital 5 Wochen ab CHF 20.– Jetzt testen Bereits abonniert?