Schier vermeint man, kohlenkellertiefe Popen-Bässe zu vernehmen, die feierliche altslawische Choräle intonieren. Mitunter wird das hier vielleicht so sein – doch der im Polarlicht flackernde Himmel ist weit, und der Zar ist fern: Das orthodoxe Kirchlein Mariä Himmelfahrt steht auf der Halbinsel Kenai, unweit von Anchorage, Alaska. Es ist bei weitem nicht das einzige seiner Art im 49. Bundesstaat der USA. Schliesslich war dieses Gebiet bis 1867 Russisch Amerika. 1723 betrat der erste russische Seefahrer Alaskas Festland, ab 1780 entstanden Niederlassungen. Pelzjäger von der asiatischen Seite des Pazifiks zog es in die reichen Jagdgründe an der amerikanischen Küste. Die Russen errichteten Handelsposten bis hinunter nach Kalifornien. Doch nach dem Krimkrieg (1853 bis 1856) war das Zarenreich ausgepowert; das abgelegene Alaska war eher eine Bürde als ein Füllhorn. Daher diente Zar Alexander II. das Territorium den Amerikanern an. Washingtons weitblickender Aussenminister WiIliam Seward bezahlte für Alaska 7,2 Mio. $, heute schätzungsweise läppische 120 Mio. $. Der Deal wurde in den USA als «Seward’s Folly» verspottet. Heute hält ihn niemand mehr für verrückt. Auch nicht an «Russian Christmas» am 7. Januar. (Bild: Keystone)