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Russische Zentralbank muss intervenieren

Der Absturz der russischen Währung zwingt die Notenbank zu Stützungskäufen auf dem Devisenmarkt.

Der russische Rubel wertet sich seit Monaten stetig ab und zählt dieses Jahr zu den schwächsten Währungen weltweit. Seit Anfang Jahr hat er zum Dollar 18%, zum Franken 11% eingebüsst. Allein in den vergangenen drei Monaten hat sich die russische Valuta zum Dollar 14% abgewertet und zum ersten Mal die Marke von 40 Rubel/$ durchbrochen.

Zentralbank verkauft Dollar

Das war auch den in jüngster Zeit zurückhaltenden Währungshütern in Moskau zu viel: Am 3. Oktober intervenierte die Zentralbank unter der Vorsitzenden Elvira Nabiullina zum ersten Mal seit Mai wieder in grossem Stil am Devisenmarkt, um die heimische Währung zu stützen. Sie erwarb in einem Tag Rubel für 980 Mio. $. Es war die grösste Intervention seit der Annektierung der Halbinsel Krim im März.

Zudem hob die Zentralbank die obere Grenze des Wechselkursbandes um 10 Kopeken auf 44.60 Rubel pro Einheit eines Währungskorbes aus Dollar und Euro an. Laut Bloomberg signalisiert das eine weitere Devisenmarktintervention im Umfang von 700 Mio. $, denn gemäss offiziellen Leitlininien verkauft die Zentralbank jeweils vor der Anhebung des Kursbandes um 5 Kopeken Reserven im Umfang von 350 Mio. $.

Reserven schrumpfen

Die Devisenreserven der russischen Zentralbank sind unterdessen auf 456,8 Mrd. $ geschrumpft, von 537 Mrd. $ Anfang Januar. Das Reservenpolster Russlands ist aber immer noch sehr komfortabel im Vergleich zu anderen Schwellenländern.

Rubel
Quelle: Bloomberg

Verschiedene Kräfte wirken gegen den Rubel. Die erwartete Zinserhöhung des Fed begünstigt den Rückfluss von Kapital in die USA. Die Ukrainekrise und die Sanktionen des Westens haben die Kapitalflucht aus Russland verschärft. Der Kreml ist für ausländische Investoren noch unberechenbarer geworden. Der fallende Erdölpreis belastet die russische Wirtschaft und ihre Valuta ebenfalls. Hinzu kamen letzte Woche Gerüchte über die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen.

Inflation steigt auf 8%

Der schwache Rubel trifft die Bevölkerung über höhere Importpreise. Die Inflationsrate ist im September auf ein Mehrjahreshoch von 8% gestiegen. Da die Wirtschaft kaum wächst, ist Russland ein Musterbeispiel eines Landes in der Stagflation. Zudem könnten zahlreiche Unternehmen, die sich in Dollar verschuldet haben, durch die Abwertung in Schieflage geraten.

Die Massnahmen der Zentralbank haben den Fall des Rubels gebremst, aber den Trend nicht umgekehrt. Heute Dienstag notiert die russische Valuta wieder bei 39.95 Rubel/$ und damit nahe der Rekordmarke von Montag.

Für eine Kehrtwende werden die Interventionen nicht reichen: Dazu bräuchte es einen Sinneswandel bei der US-Zentralbank oder eine Entspannung auf politischer Ebene. Dass der Westen die Sanktionen gegen Russland jedoch bald aufhebt, ist derzeit unwahrscheinlich. Dass die US-Notenbank das Ende der Nullzinspolitik überdenkt, ist aus heutiger Sicht auch nicht plausibel. Das könnte erst dann der Fall sein, wenn der Dollar so stark ist, dass er die Erholung der US-Wirtschaft bedroht.

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